Brockdorff Klang Labor – Die Fälschung der Welt

Brockdorff Klang Labor packen Gesellschaftskritik, Kunst und Widerstand in sehnsüchtige 80er-Reminiszenzen. Da man sich aber auf Pop konzentriert, ist das in weicher Zeichnung angelegt.
Gute Texte werden da manchmal gehaucht. Das Tempo bleibt in Hüfthöhe. Mit einer zarten Attitüde werden Slogans skandiert. Etwas Blue Monday, etwas Paula, vielleicht sogar wirklich die Tanzmusik, die man auch im Radio erwartet, wenn man auf die typischen Stadtsender eingestellt hat. 2Raumwohnung trifft Milch und die Allwissende Billardkugel.
Die Leipziger machen das geschickt. Natürlich kann man ihnen das vorwerfen. Warum macht ihr nicht adäquate Musik zu diesen Aussagen? Blast uns weg! Muss es Electro-Pop sein? Allein, allein. Brockdorff Klang Labor werden da müde lächeln. Sie bewegen sich in der Nische und machen doch die Musik der Großen, nur mit anderen Mitteln und anderen Adressaten. Irgendwie geht es ja immer um Sender und Adressat. Wer wird dieses Album hören? Nur Blogger? Eins-Live-Hörer? Die Kids auf den Schulhöfen? Na, hast du dir auch schon die neue Brockdorff Klang Labor runtergeladen?
Ich glaube nicht, dass sich die Leipziger auf Zielgruppen konzentrieren. Melodien werden angezettelt. Mit einer knackigen Bassdrum unterlegt und mit Klimbim-Sounds angereichert. Ein Rave für die Autofahrt, für ein Mixtape. Der Straßenkampf beginnt in der Disko. Brockdorff Klang Labor haben keine Angst vor Zitaten, vor Refrains, die manchmal mit dem Holzhammer erzwungen werden, aber funktionieren.
Ich glaube zwar, dass das Album untergehen wird, aber wer strebt hier wirklich Erfolg an? Vielleicht kräht kein Hahn mehr nach diesen Melodien. Dennoch sind die Leipziger konsequent in der Umsetzung ihrer Debatten. Aus einer Idee machen Brockdorff Klang Labor 12 Lieder. Als hätte es im Klanglabor nur eine Einstellung gegeben. Andere nennen das Konzept. Erst der Titeltrack nimmt ein bisschen Puste raus. Juliane Werding würde hierfür töten. Die Euphorie, die die Musik anschlägt, können die gesanglichen Darbietungen nicht ganz halten. Manchmal ist einfach zu viel Text da, der sich nicht immer in die Melodien quetschen lässt. Das Album fasziniert denoch. Durch seinen Aufbau, die Struktur, die immer aufquellenden Gitarren und das Skandieren von Wahrheiten. Spannend.

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