Gudrun Gut – Wildlife

Wie viel Wildnis in der Uckermark steckt, das wissen nur die Uckermarker und Gudrun Gut. Gut suchte sich ein Plätzchen, um ein neues Album zu produzieren, weit weg von der hippen Szene in Berlin, den Tagträumern in den Frühstückssalons und den Angebern mit den Vollbärten und Jutebeuteln des Nightlifes. So findet sie ihren Garten, ihre Ruhe und Seelenfrieden also nicht in Berlin.
Es gibt Posttechno, Minimalistisches, ihre Stimme, die immer noch wie aus der Zeit gefallen zu sein scheint und Rhythmen aus der Welt und dem Großstadtdschungel, der einfach nicht vergessen werden kann. In die deutsche Toskana fließt das düstere Stadtleben. Luft und Liebe klingt hier nach Afterhour und Abstellkammer.
How Can I Move benutzt den Freiraum eines Clubsounds. Ein Shuffle flirrt um ein Loop, der aus einem Grammophon zu schallen scheint. Dann kommt Tina Turner. Ich habe mich erst erschrocken. Dann war ich begeistert. So was dürfen und durften nur Michaela Melian, Justus Köhncke und Nico. Durch das stoische Bleiben auf einem Ton bekommt der Cover-Track eine starke Transparenz, die nicht nur im Kopf beginnt. Erinnerungen werden wachgerufen. Eine Ballade für die gebeutelten Seelen. Wer ist hier der Beste?
Natürlich sind die Nächte auch in der Uckermark dunkel. Tiger tigert durch die Vergangenheit. Frei sein kommt mit einem Glockenspiel daher, das es in sich hat. Slogan für die Ewigkeit. Gutes Album, das sich nicht schert aktuell zu sein und dennoch einen Puls der Zeit trifft, der nicht im Urban Gardening seinen Höhepunkt erlangt hat. Natur im Geiste.

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