Stephan Mathieu – Coda (For WK)

Stephan Mathieu lässt noch einmal das Grammophon spielen. Auch diesmal dreht sich die alte Scheibe mit 78RPM. Beethovens Klaviersonate Nr.26 in der Aufnahme von 1927 gespielt von Wilhelm Kempff wird entgegen genommen, bearbeitet, entfremdet, pulverisiert und ausgeschieden. Mathieu kreiert einen Schall, der lange umherwandert. Aus Pulver wird Druck, aus Druck eine Frequenz und aus der Frequenz eine Erinnerung.
Wie ein Geist schwebt die alte Aufnahme über der Introspektion. Kempffs Klavier ist nur noch ein Betäubungsmittel, ein vergessener Klang, der sich in einer Lava-Lampe ergossen hat. Mit der Zeit zweifelt man an der Existenz der realen Aufnahme, am Klang und an der Zeit. Mathieu schafft mit diesem reüssierten Nachschlag zu A Static Place eine abgeschnittene, erneute Version, sowie Vision der Dekonstruktion einer Vergangenheit. Entfremdung wird zur Erneuerung einer Sprache, die als unkaputtbar galt. Kälte und Unbehagen ziehen auf, Beethoven has left the building.

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