Mika Vainio – Fe3O4-Magnetide

Das Ohr ist nah dran an der oszillierenden Welle. Ganz nah dran. Im ersten Moment möchte man vor Schreck und in Anbetracht des hohen Drucks unwillkürlich einen Schritt zurücktreten. Doch sogleich schlägt einen die Genauigkeit der Darstellung in ihren Bann. Die Welle schnurrt und kratzt. Ihre Textur lässt sich im Geiste mikrometergenau nachzeichnen, so also würde man mit einem Mikroskop dicht über dem magnetisierten Band hängen.

Dann genau im richtigen Moment ist die Welle verschwunden und ein nur scheinbar vergessenes Zirpen markiert den Raum. An- und Abschwellen. Filterungen werden mit betonter Langsamkeit zur Demonstration. Fragmente, zuweilen aus Radio-Mitschnitten werden transformiert, werden abstrahiert. Kleine Dinge werden durch die Lupe betrachtet und erlangen große Bedeutung. Vermeintlich große Themen hingegen werden nur kurz erwähnt und zum Break degradiert. Der inzwischen auch in Berlin lebende Finne Mika Vainio, der in den 90er Jahren zunächst mit Pan Sonic Maßstäbe setzte, macht mit „Fe3O4-Magnetide“ da weiter, wo er 2010 mit „Time Examined“ begonnen hat: mit der Aufladung des Ereignisses Wellenform.
Oszillationen und Filter werden zu Protagonisten einer klanglichen Abstraktion, die es immer wieder schafft für kurze Momente unbearbeitete Fragmente aufblitzen zu lassen. Erfreulich ist insbesondere, dass Vainio es gelingt die scheinbare Unvereinbarkeit von Maschinenhaftigkeit und Meditation mit guten Argumenten in Frage zu stellen. Ein Fragestellung, die jahrzehntelang kaum jemand im Industrial zu behandeln wagte. Uneingeschränkt meisterhaft.
“Fe3O4-Magnetide” ist im September 2012 bei Touch erschienen.
Mika Vainio
 

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