Dum Dum Girls Live Hamburg, Indra 05.09.2012

Die Besucher des Indra wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Zaghafter Applaus plätschert dahin. Die Enttäuschung steht jedem ins Gesicht geschrieben. Hätte es nicht auch gereicht, sich zwei, drei Smartphone-Videos der Dum Dum Girls auf Youtube anzuschauen? Musste man dafür auf den Kiez latschen? Der Sound wäre der Gleiche, wenn nicht sogar besser. Sogar die Bühnenoutfits der Girls kämen da besser zur Geltung.
Die Dum Dum Girls spielen ihr Set lustlos runter. Die Gitarren matschen und verebben in Hall, die Stimmen sind im Backstagebereich geblieben. Dabei hätte alles so schön werden können. Die Berliner The Mokkers eröffneten tadellos den Abend. Hier saß der Sound noch. Lag es an der eigenen Mischerin der Dum Dum Girls, dass man die Catchyness überhörte? Die Mokkers spielten auf jeden Fall ihren Sixties-Rock, zwar etwas ängstlich, aber gepflegt runter. Keine Überraschungen im Songwriting, doch aber mit Schmackes. Sympathische Damen, die noch ihre Autonomie suchen, aber auf dem richtigen Weg sind.
Dann kamen die Kalifornierinnen. Ihr Style ist Pose und verzückend. Aber das wissen ja eh alle. Doch der Umbau muss Kabel gekostet haben. Der Sound hat sich gedreht. Nichts von dem, was man erwartet hatte, wurde erfüllt. Die Hits wurden zwar sauber dargeboten, doch man konnte den Songs nicht folgen. Sie nahmen einen nicht mit. Der Gesang war nur an den Lippenbewegungen zu erahnen. Wie durch dicken Nebel kamen nur Fetzen dessen an, was die Dum Dum Girls so faszinierend macht.
Die Klimaanlage tat ihr bestes, um nach einer Minute im Raum angekommen, nach Rasierschaum und Staubsauger-Dufty zu riechen. Sogar heute dunste ich diesen Wunderbaum aus. Auch die Girls auf der Bühne bekamen mit, dass nicht alles rund läuft und das eh zurückhaltende Hamburger Publikum wohl nicht mehr zu kríegen ist. Punkrock ist tot.
Der Tumult am Merchandise-Stand nach dem Konzert war noch das Aufregendste am Abend. Die Enttäuschung lässt auch nach ein paar Stunden Schlaf nicht nach. Wie kann man so einen Sound präsentieren, wenn man doch weiß, dass Rockmusik über Lautstärke funktioniert? Wenn man doch weiß, dass die Refrains, im Mädelschor vorgetragen, nur funzen, wenn man auch die Stimmen zuordnen kann? Wenn man doch weiß, dass es um Songs geht und nicht um Virtuosität an den Instrumenten? Das Konzept ist ja so einfach. Vielleicht haben die Dum Dum Girls die Begrifflichkeit “Garage” zu wörtlich genommen Oh, bin ich enttäuscht.

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