Pet Shop Boys – Elysium

An was müssen sich die Pet Shop Boys eigentlich messen lassen? Wohl nur an den Vorgängern, denn Trends sind schnuppe, Kollegen auch. Steckt man Elysium sofort in eine Rangliste der besten PSB-Alben? Ich versuche das mal nicht zu tun.
Elysium beginnt mit einer starken Single. Leaving hat alles, was ein PSB-Song benötigt. Tennants Stimme drückt wieder Jugendlich- und Vergänglichkeit gleichermaßen aus. Der Text sitzt am richtigen Ende und die Chöre schwelgen in Call und Response. Ein Hit.
Invisible drosselt das Tempo. Es wird nachdenklich. Text und Sound verschmelzen. Synthiefahnen ziehen lange Kreise. Tennant wird fast durchlässig. Er schlüpft durch die Strophen.
Winner hat natürlich den Hitbonus der olympischen Spiele, Doch auch dieser Song passt ins Konzept und wirkt nicht deplatziert oder überproduziert. Eine typische Hymne, die sich erst nach dreimaligen Hören wirklich ausbreitet, dann aber kein Auto mehr kalt lässt. Mit einer Leichtigkeit verbinden die PSB Hoffnung und Melodie-Overkill. Refrains kann man mit Super-SlowMo-Bildern belegen. Tränen, Freude und Erfolg treffen auf Freundschaft und Respekt. Klassischer kann ein Popsong nicht geschrieben und produziert werden.

Die Midtemponummern haben zwar die Gravität, doch sie plätschern ein wenig. Das war aber immer schon so. Wie Füllmaterial klingt zum Beispiel Your Early Stuff. Erst der Chorus zeigt, was in den PSB steckt. Wie einfach es ist, aus Belanglosigkeit eine wiedererkennbare Gänsehaut zu kreieren. Doch der Chorus taucht nur als Verzierung auf und kehrt nie wieder. Alles Spuk. Nach 2:33 bleibt man fast sprachlos zurück. Vielleicht der außergewöhnlichste Song.
Dann machen die PSB einen Sprung. Sie verschieben ihre Strophen nicht mehr. Sie bleiben auf einem Ton, Sie stapeln Sounds hoch. Face like That geht in die älteren PSB-Jahre zurück. Retro-Disco mit Donner und Raketen-Bridge. Es wird fast experimentell.
Tennant nimmt Humor mit, er wechslt die Gesichter. Er macht sogar aus traurigen Momenten etwas, das man wohl Humor nennen kann. Breathing Space hat die Ruhe einer erfahrenen Seele. Nach Face like That, die “experimentloseste” Antwort. Auch das funktioniert. Eine einfache Melodie wird mit logischen Verschiebungen in den Popolymp gehoben. Kann man affig finden oder clever oder vielleicht sogar geil.
Man wiegt sich kurz in den Top40, doch Ego Music will dann wieder auffallen. Satire trifft auf Spoken Word. Ein Jingle in der Nacht.

Hold On
ist vielleicht die Hymne des Albums, die alles gibt. Ein Musical mit Judy Garland schwebt über die Bühne. Einige Trottel singen noch Go West. Nein, Hold On. Es regnet Blumen. Alles ist möglich. Egal, was und wer uns alles kaputt macht. Die Zukunft gehört uns. Vielleicht nicht mehr den PSB. Aber brauchen die noch eine Zukunft? Sie haben so oft nach vorne geschaut. Zwei, drei Blicke in den Rückspiegel schaden nicht. So auch die Prefab Sprout-Hommage Give it a Go.
Ich liebe die Boys. Tolle Platte.

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