Swans – The Seer

Die Swans holen wirklich alle Bretter aus der Hütte und lodern sie mit Hexentanz und Babyopferungen ab. Ich glaube keine andere Band schafft es, diese Mischung aus Krach, Härte, Anti-Rock und Hässlichkeit konterkariert durch sensible Psychedelia oder Volksweise so genau vorzutragen, wie es die Swans seit nun fast dreißig Jahren abliefern.
Auch The Seer ist ein böses Ding. Lunacy täuscht erst einmal nur an und The Wolf ist eine Fieldrecording-Folk-Gute Nacht-Geschichte, doch der 32 Minuten-Titeltrack, der dann darauf sogar für knapp über sechs Minuten mit The Seer Returns noch mal aus den Puschen kommt, legt deine Wunden offen. Eine Vodooveranstaltung der übelsten Sorte. Die ruhigen Momente, die aber auch Fratzen der Hässlichkeit in den Akkorden verstecken, lassen einen zwar durchschnaufen, doch wohlig warm wird es einem dabei nicht.

Song For A Warrior besänftigt dann endgültig. Man holt das Strickzeug raus und strickt für die Kleinen einen Amputationsstrampler. Herrlich dieses Klavier.
Die Glocken fangen an zu läuten. Ich werde unruhig. Man wird also nun in den Wald gerufen, in die alte Kapelle. Das Blutbad ist angerichtet. Gothic Rock weht Wind in den Anstrich alter Rocktradition. Avatar ist dann fast schon zu banal. In dieser Phase der Platte, hat man fast die letzten Minuten vergessen. Man legt die Verbände ab. Melodien für die Zillo-Leserinnen, die aber werden sich hüten, diese Betrüger anzupacken. Zur Strafe bekommen sie Art Rock in den Po geritzt. Fast melodisch geht es weiter, obwohl immer ein Ton stehen bleibt, der Unbehagen auslöst, der Krach macht, der sich in die Ohrmuschel fräst.
A Piece Of The Sky gibt noch mal einen Romantikposter-Eindruck. Stolze 20 Minuten lang. Genug in die Kerze geguckt. The Apostate quält einen für dreiundzwanzig Minuten. Ein Gebet. Eine Fürbitte. Ein Abgesang. Bei den Swans muss man in Längen sprechen. Sie zerdeppern dir die Knochen. Wem wollen sie noch was beweisen? Ich bin schon überzeugt. Und wirklich geschockt.

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