Cat Power – Sun

Man hatte Cat Power gar nicht mehr auf dem Schirm. Das Role-Model der Autodidaktikerinnen der Neunziger Jahre hatte sich nach der Veröffentlichung der Cover-Platte Jukebox 2008 zurückgezogen. Wohin auch immer. Nun kommt sie nach sechs Jahren mal wieder mit eigenem Material zurück. Chan Marshall setzt wieder alles auf Anfang. Die Mucker-Jahre und der Champagner scheinen vergessen.
Der Delta Blues ist ebenfalls in den Archiven verschwunden – sie wird die ganzen Wong Kar Wai-Fans wohl wieder verstossen. Der Wikipedia-Eintrag mit dem Genre Alternative Country muss umgeschrieben werden. Schön wäre Indie HipHop-Blues. Die elektronisch angehauchten Beats, dünn und mit viel Hall, sprechen aber auch eine andere Sprache. Nur welche? Die multitracked Vocals sind zurück und schenken Cat Power das alte Singer-Songwriter LoFi-Gewand. Wieder klingt alles wie hingerotzt. Chan schrammt am amtlichen Hit vorbei. Kurz vor dem Höhepunkt enden Songs. Diese Art von Strophen habe ich wirklich vermisst.

Chan Marshall macht sich aber auf eine steinige Reise. Die Sonne, die in den Songs auf The Greatest und Jukebox schien, ist nur noch als Album- und Tracktitel vorhanden. Chan Marshall schraubt alles wieder auf ihre Person runter. Die Bigband als Hilfe im Rücken ist verschwunden. Jetzt ist es sogar mal der Autotune, der ihr unter die Arme greift. Kann man alles machen, doch 3,6,9 ,nur als Beispiel, ist dann doch mehr Experiment als Song. Hier hört man Chans Vorbildfunktion. Hier hat Lana Del Ray alles gelernt.
Chan Marshall hat das Heft selbst in die Hand genommen. Ein mutiger Schritt. Leider ist aber nicht ihre beste Platte dabei herausgesprungen. Dafür klingt Sun zu gewollt rückläufig. Mit Sun verstösst sie die Soundtrackhörer- und Vogue-Leserinnen. Da hilft auch der olle Iggy Pop nichts, der das “Heroes”-Stück Nothing But Time eigentlich ganz schön untermalt. Die alten Wegbegleiter, die Cat Power noch im Handstand und strunzenblau kennen und lieben gelernt haben, versöhnt sie so aber auch nicht. Sun klingt wie eine B und C-Seiten Veröffentlichung von Moon Pix und You Are Free. Chan zitiert sich und Nina Simone, Black Flag, Mick Jagger, David Bowie und Sex and the City. Ich verzeihe Cat Power trotzdem alles. Rock on, Chan!

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