Antony and the Johnsons – Cut the World

Es gibt sie diese Stimmen, die einen gefangen nehmen, einen auf den Boden drücken und Tränen in die Augen treiben lassen. Antony Hegarty gehört zu den Sängern, die es schaffen, einen in den Bann zu ziehen und zu faszinieren, ja fast zu verletzen oder wenigstens verletzlicher zu machen. Er ist vielleicht der größte/bedeutendste Torch Song-Interpret des letzten Jahrzehnts. Da wird es Zeit, diese Authentizität noch einmal unter Beweis zu stellen.
Cut the World ist eine Werkschau, die auf 14 Jahre Hegarty zurückblickt. Es gibt Studio- und Liveversionen in Zusammenarbeit mit dem Danish National Chamber Orchestra. Antony wäre aber nicht Antony, wenn er nicht noch eine neue Nummer unterbringen würde, die den Fan schnalzen lässt und fast ein wenig traurig stimmt, denn ein richtiges Album wäre doch auch toll gewesen.
Außer dem neuen Titeltrack gibt es noch eine Sieben Minuten-Ansage/Rede über die Zukunft des Feminismus und die Auswirkungen auf uns und die Welt. Alles ist stimmig. Kann man machen.

Das Orchester bietet Antony genug Raum, um sich in seine Songs zu legen. Die meisten Songs stammen von The Crying Light und vom Debütalbum. Die anderen Platten werden nur sporadisch gestriffen und hierbei wird sogar auf die größten Hits verzichtet. So bleibt einiges in der Versenkung, das man auch in diesem Zusammenhang gerne gehört hätte. Wie z.B. Hope There’s Someone, Bird Gerhl, Thank You For Your Love oder Everything Is New. Schön, dass die Single I Fell in Love with a Dead Boy von 2001 auf dem Album Platz gefunden hat. Vielleicht der Höhepunkt.
Wer eine Werkschau mit Livecharakter und Orchester benötigt, ist hier richtig, alle anderen gehen lieber zu den Konzerten oder stellen sich zu Hause ihre eigene Playlist zusammen. Obwohl nein, man braucht diese Aufnahmen. So wie Bier und Brot.

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