Punch Brothers – Who's Feeling Young Now?

Man sieht die blutigen Finger förmlich, die das Banjo verursacht. Noam Pikelny spielt es wie ein Teufelsgeiger. Auch die Mandoline überholt sich selbst. Ein Kontrabass tupft die tiefen Töne hinzu, die so auch automatisch das Rhythmusgerüst bilden. Progressiv Bluegrass steht auf den Zetteln, die die Welt bedeuten. Schmeiß sie in die Tonne!
Die Punch Brothers sind ja wohl viel mehr als nur das. Eher entfernen sie sich. Sie loten ihre Songs sehr weit aus. Sie sind an Popmusik interessiert, dass man zum Beispiel an der Coverversion Kid A von Radiohead erkennt. Auch ist der Einfluss von Produzent Jaquire King deutlich zu hören. Die Punch Brothers rutschen so auch in die Neo-Rock Welt einer Band wie Modest Mouse, ohne aber ihre Wurzeln ganz zu verleugnen.
Die Songs sind wunderbar arrangiert und ausgeklügelt. Diese handgemachte Musik klingt so harmonisch, jedes Picking zuckt zur richtigen Zeit, jeder Chor umsaumt die tragischen Worte Chris Thiles. Jede Wendung im Songwriting ist zauberhaft und reißt neue Ufer auf. Die Punch Brothers transportieren eine gewisse Dynamik, die sie aus den Scheunen spielt oder von der Straße holt, um wirklich in der Pop-Nische Fuß zu fassen, und um nicht mehr den Hut als Kasse nutzen zu müssen. Auch die dunklen Melodien, die sich immer wieder aus der sunny Country-Luft herauskristallisieren, sind wagemutig. Endlich taucht mal eine Fiddle auf, die nicht zum Square-Dance auffordert. Die Punch Brothers sind vielleicht für die Generation Mumford & Sons zu traditionell behaftet, aber eigentlich gehören sie dorthin, denn ihre Virtuosität schlägt diese um Längen. Der Schritt nach New York hat sich gelohnt. Man hat sich neu orientiert. Popmusik, die es verdient Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen. Tipp der Woche!

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