Schoenholz – Ceylon

Schoenholz aus Berlin verhandeln ihre Popgesetze in Moll. Sie changieren zwischen den Polen Chanson und Cabaret. Alles ist auf Text gebaut, der Bilder schafft, aber natürlich auf deutscher Sprache seine Ecken und Kanten hat, an denen auch die Instrumente stets hängen bleiben.

Oliver Seiffert untermalt Daniela Schönwalds Worte mit Gravität. Die Musik hat eh viel im Sinn, doch Daniela kann nicht jede Melancholie mit Pathos füllen. Nicht zu jeder Wendung passt eine gesangliche Untermalung. Manches erstickt im Keim. Mich erinnern Schoenholz an Universal Gonzalez aus Hamburg. Die versuchten ja Bossa Nova/Barjazz/Schlager mit Niveau nach Deutschland zu holen. War dann auch nur was für Spezies. Schoenholz sind da eher die französische Variante, die gezielt sauber an der Süßlichkeit und dem Chichi der Nachbarn vorbeischrammt. Sie bedienen sich deutlich an Popjazz-Akkorden oder mucken schon mal rockig auf. Refrains lassen sie liegen. Alles ummantelt sich mit Moll. Jede Bridge führt nur in weiteres Trauermeer.
Das ist amtlich produziert, doch der richtige Funke will nicht überspringen. Schoenholz bleiben hartnäckig eigenständig, so als hätten sie nie Element Of Crime oder Fink gehört. Zuhörmusik für den bestuhlten Abend mit Hobos in Berlin oder mit Vesper Martini in Hamburg.

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