The Hundred In The Hands – Red Night

Ein Grollen durchzieht die Nacht. Der Anschnallgurt schneidet sich ins Fleisch. The Hundred In The Hands geben Gas. Sie heizen über Stadtteilbrücken hin zu Single-Wohnungen, die so karg eingerichtet sind, dass eine Plastiktüte für den nächsten Umzug reicht.
Wilde Trommeln wirbeln, Drones zerschneiden die melancholischen Melodiebögen Everdells. Sind das Bläser oder Hörner? Tragen wir sie auf dem Kopf oder halten wir sie an den Mund? Stimmenmeere verschieben sich und bewässern die trockene Urbanisierung. In jeder Ecke hockt eine verlorene Seele, die kurz aufblickt und ihre Wunden präsentiert. Schmeiß was in den Becher oder setz dich daneben.

Glasklare Gitarrensplitter verschmutzen die Elendsquartiere. Red Night ist ein Großstadtschauermärchen geworden, das sich immer wieder aus der Poppigkeit in Richtung Unbehagen bewegt. Everdell thront mit ihren Stimmen über krachigen Riffs, die Rock anfassen, aber auch wie heiße Kohle schnell wieder fallen lassen. Beats klöppeln sich in Düsterclubs. Alles flackert. Manche Melodien werden abrupt beendet, Echos geben nur noch den Widerhall wieder. Wer jetzt noch auf der Straße ist, ist verloren im Dschungel der Eitelkeiten und des Selbstmitleids. Ein Feedback macht noch keine Romanze.
Vielleicht scheint am Ende des Tunnels noch ein Licht. Vielleicht locken dich aber auch nur die Mole People in ihr Reich. The Hundred In The Hands haben ein eklektisches Werk geschaffen, dass im Mittelteil leider etwas zu langweilig geraten ist. Hat man sich an die Atmosphäre gewöhnt, zeigt sie sofort ihre Grenzen auf. Discoelemente kommen zu kurz. Der Anschnallgurt rutscht zurück in das Verdeck. Mit den Wunden kann man leben.

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