Hot Chip – In Our Heads

Hot Chip ziehen alle Register. Mal tuckern sie gepflegt in die 80er, mal gibt es einen Ausblick auf die Art von Funk, die am Zeitgeist kratzt und mal schrauben sie sich runter, um psychedelische Momente pluckern zu lassen.
Das alles ist sehr amtlich angelegt. Jeder Track bewegt sich wie auf einer einsamen Insel, von der einen Seite zur anderen. Es gibt keinen Westen und keinen Norden. Nur die Weite. Nichts verfälscht den Blick. Perkussive Elemente lassen alles wackeln. Auch den Arsch. Refrains schieben sich aus der Sonne in den Schatten. Der Dancefloor bleibt stets in Sichtweite. Man muss nur einen Schritt machen, schon schüttelt sich der ganze Laden.

Popmusik wird zitiert und neu umgemodelt. Altbekannte Sounds werden in neue Kontexte verfrachtet. Melodien kreisen um Blechbläser und Keyboards. Jedes Bimmeln sitzt, jedes Keyboard-Vögelchen singt zur rechten Zeit. Hits werden dargeboten und doch sind sie nicht mit dem Holzhammer platziert. Dies ist ein Album, keine Ansammlung.
Karibische Fluchtversuche werden von Nerd-Rap eingefangen. Manches tritt Prince in den Allerwertesten, manches zeigt Human League, was Human League mal waren. Quirlige Gitarren dürfen so lange den Funk machen, bis sich die Boyband der Herzen ganz in sich fallen lässt und Romantik-Poster aufhängt. Manches klingt nach Erlösung. Hot Chip sind Retter der Popmusik. Nichts ist dumm, nichts kommt oberleherhaft. Cheesy Momente werden genauso eingeworfen, wie spleenige Ungereimtheiten. Ein Meisterwerk, das sich so in den Mittelpunkt drängt, dass man gar nicht daran vorbeikommt. Das muss Liebe sein!

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