Ben Schadow – Liebe zur Zeit der Automaten

Ben Schadow ist ein guter Songwriter. Er verlässt sich nicht auf genretypische Akkordwechsel, er liebt Musik und dies hört man in jeder Note. Sein Stil ist wohl grob in die 60s-Pop-Ecke zu stecken, doch wahnwitzige Breaks oder besser gesagt, eine eigenständige Rhythmik und schön durchdachte Bridges, mit harmonisierenden Kniffen, spielen die Songs aus der Deutschpop-Schule, in der Schadow ja auch als Hilfslehrer tätig ist, hin zu Erwachsenen-Pop mit Erfahrung in Klassikerhuldigung.

Seine Stimme schwankt zwischen Zynismus und Dackelblick. Nicht jede Wendung wird in die Intonations-Champions League einziehen, dafür wirkt aber alles ehrlich und authentisch. Genau wie die Texte, die sich gerne reimen, aber nicht mit so viel Kitsch versehen wurden, um junge Mädchen zu bezirzen und totzufaseln. Immer wenn sich Backingvocals in Bens Rücken schrauben, bekommen die Songs eine Kraft, die man braucht, um in einer Großstadt wie Hamburg zu bestehen. Da hilft auch der Walzer Einer aus Stolz, einer aus Scham, ein Kleinod, das sich wunderbar in den Olymp trällert. Der heimliche Hit Ich hab geträumt ich sei tot hat diese liebliche Querflöte im Gepäck und wird sogar im Outro zu Hey Jude. Überraschend ruhig ist das Debüt, das wirklich Klamauk gegen Ernsthaftigkeit tauscht und der Suche nach dem ultimativen Popsong neue Hinweise und Bemühungen hinzufügt. Geheimtipp.

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