Ponyboy and Lovely Jeanny – The Life and Death of Ponyboy

Vielleicht ist dies nur ein kurzes Leben. Ein Leben im Scheinwerferlicht auf einem Barhocker mit der Ukulele auf einem zweiten Hocker, einer Akkustikgitarre in den Händen und Melodien im Gepäck, die nicht darauf aus sind, in Refrains zu enden, sondern Strophen und Brücken zu füllen. Manchmal reicht auch ein freundliches Pfeifen oder ein Aufgalopp des Schlagzeugs.
Ponyboy gibt ja im Titel seines Debüts leider auch direkt sein Ableben bekannt. Soll man diesen Werdegang denn dann überhaupt verfolgen? Oder lieber auf die Zusammenführung Subterfuges warten? Ganz sicher, man muss sich dem Troubadour annehmen, denn Baumhoff weist Qualitäten auf, die nicht auf schnelles Durchrauschen aus sind und Jahrzehnte standhalten können.

Thomas Baumhoff hat sich fünf Jahre Zeit gelassen, um die Pause seiner Hauptband Subterfuge, mit eigenem Material zu kompensieren. Schön ist, dass man das nicht durchweg auf dem Album hört. Es klingt frisch, wie mal eben so gemacht. Fast 30 Musiker haben sich an The Life and Death of Ponyboy beteiligt. Sie halten sich angenehm zurück. Sie füllen wunderbar die luftigen Räume, die ihnen Baumhoff und seine Akkustikgitarre lässt. Auch Lovely Jeanny aka Thomas Hannes spielt unbekümmert den Sidekick, der sein Können in Bahnen lenkt, die nur dem Song dienen und zum Glück nie ins Muckerhafte abdriften. Baumhoffs Stimme bleibt auch nach Jahren noch der Junge von nebenan. Wie aus einem Guss klingt sein Timbre, so als wäre kein Melodyne-Programm darüber gefahren, so als wäre er direkt in deinem Wohnzimmer und als hätte er den Song gerade vor deinen Augen zu Ende komponiert.
Ponyboy spielt sich genüsslich und mit viel Zeit durch die Traditionen und Stile. Seine Bewunderung für Harry Nilsson und Randy Newman erreicht hier ein Niveau, dass man wohl so in Deutschland selten vorfindet. Eine eigens für die Aufnahmen arrangierte Dixie-Combo frohlockt etwas Altbackenes herbei, dass aber im Durchlauf des Albums seinen Sinn macht. Ballad Of The 23rd sollte man an jedem 23. eines Monats hören, nicht nur an Weihnachten. Und auf einmal bemerkt man doch die fast 30 Musiker. Kleinode bekommen Gewicht an die Pickingfinger gehängt.
Die Popausflüge bleiben in der Unterzahl, denn auch hier weht immer ein Hauch der weiten Welt. Bei It’s a disease spiegelt eine John Lennon-Brille am Horizont. Could Be Wrong klingt wie ein verloren gegangener Song der legendären Eifel-Tapes. Hier schimmert Dunkles durch Baumhoffs Sonne. Toll. Wahnwitzige Akkordfolgen umspielen bei The Railway eine mutige Kopfstimme, die vielleicht in Last Movie ihre Krönung erfährt. Was für ein Debüt! Ein “Zuhöralbum”, dass bei mehrfachen Lauschen immer neue, kleine Details offenbart und sogar, obwohl gar nicht darauf angelegt, zum Mitsingen animiert. Das wäre doch schade, wenn man nach so einem Album wieder in den Bandbetrieb zurückgehen würde. Es muss doch beides gehen.

Live:
16.05. Düsseldorf – Datscha
18.05. Düsseldorf − A&O Medien ab 17.00 Uhr
23.05. Köln − Stereowonderland (mit Half Moon Run)
01.06. Hamburg − Hasenschaukel
02.06. Berlin − Ursula Montinaro

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