Rufus Wainwright – Out Of The Game

Rufus Wainwright löst sich mal wieder aus der Umklammerung des ihm selbst auferlegten Hochkulturstempels und liefert eine große Show, die Pop zutage bringt und im gleißenden Sonnenlicht den Geruch des Laurel Canyon‬ versprüht.
Nach der Pianoplatte, der Oper und den Livealben musste Rufus mal wieder zurückrudern. Mark Ronson hilft ihm da als Produzent natürlich vorzüglich. Er schenkt Rufus Songs einen Midtempo-Groove, der manchmal so versteckt rhythmisch ist, dass man erst beim dritten Mal hören das Ausmaß versteht. Rufus Stimme klingt wieder einmal fantastisch. Sie schwebt in reiner Form über den Bläsern, Akkustikgitarren, Synthies und 70s Licks. Sogar kleine Fehlerchen lässt Rufus drin. Es soll authentisch und leibhaftig sein, insofern Soft Rock das zulässt.

Die Texte drehen sich natürlich um seine eigene Achse. Was soll der Pfau auch sonst schreiben? Liebeslieder für seinen Mann, seine Tochter, seine Publizistin in England und seine Mutter. Einen Giftpfeil schießt er gegen die Jugend von heute ab. Er beschimpft sie sogar als “Suckers”, was ihm wohl den “Ab 16-Aufkleber” eingebracht hat. Oder war es die Bankers und Loaners-Geschichte? Schwachsinn. Rufus wird es egal sein, denn er ist ja bekanntlich der Gay Messiah.
Der versteckte Groove geht manchmal ein wenig zu sehr unter, da Rufus nicht gerade eine funky Stimme besitzt, doch die souligen Backgroundsängerinnen schieben so viel Glam nach, dass Rufus sich weiter unbesorgt im Sonoren aufhalten kann. Bitter Tears und Perfect Man streifen sogar kurz die 80er. Die Pet Shop Boys sind halt auch für Rufus eine Marke.
Wainwright setzt auf dieser Platte mehr auf seine Stimme denn je. Bei den meisten Stücken verlässt er das Piano und hält sich entweder nur am Mikro oder an der begleitenden Akkusitikgitarre fest. Den Rest machen die sehr gut aufgelegten Begleitmusiker. Nels Cline darf seine Finger spielen lassen, genauso wie Nick Zinner. Mark Ronson hat Rufus ein neues Antlitz geschenkt, dass natürlich die alten Alben nicht vergessen lässt, sogar wie in Jericho freudig zitiert, aber auch die Showtreppe steiler baut. Rufus tänzelt nicht. Er flaniert. Das Songwriting ist vielleicht das poppigste bislang, doch einige Passagen haben es wirklich in sich. C-Teile bringen einen um den Verstand. Kopfstimme inklusive. In Montauk trägt Rufus einen Kimono, sitzt am Piano und spielt diesen kirre machenden Reigen. Unfassbar. Rufus ist erwachsen geworden. Ich bin begeistert.

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