Robert Glasper Experiment – Black Radio

Der Akkustik-Jazz des 2010 Auftritts beim Londoner Jazzfestival hat neue Fans ins Robert Glasper-Lager gespült. Da wird es Zeit, sie neu zu fordern. Lift Off beginnt mit einem Radio-Jingle-Einstieg. Wie ein Interlude gedacht, versucht es sich Platz zu schaffen. Shafiq Husayn macht den Crooner im Stil eines Barry White. Man ist gespannt.
Danach bittet Erykah Badu zum Mikrocheck. Afro Blue läuft mit Rhodes und Piano an den Rand eines Hits. Smoother klang Erykah schon lange nicht mehr. Robert Glasper wirft einen Oldschool-Filter auf die Tracks. Wunderbar warm. Glasper verlässt nie ganz die Spuren und Wegweiser des Jazz, doch aber nähert er sich hörbar dem Mainstream an, versucht aber nicht die Haltung zu verlieren. Er wackelt nie.

Genresübergreifend läuft Black Radio konsequent durch. Glasper gelingt es, alle Mitmusiker unter einen Hut zu bringen. Hier wirkt nichts zusammengewürfelt oder mosaikhaft. Jedes Solo, jedes ungestüme Break, eines überragenden Chris Davis, sitzt am rechten Fleck. Der Bass, eines sehr gut aufgelegten Derrick Hodge, versprüht Sexyness und Kontrolle gleichermaßen. Glasper verbindet Urban, Hip Hop, Soul und Jazz. Eine Kombination, die natürlich schon Erfahrungswerte vergangener Jahrzehnte auf dem Buckel hat, die man vielleicht nicht unbedingt vermisst hat, doch wieder neu anerkennen muss.
Lupe Fiasco taucht auf und feuert aus allen Hüften. Bilal unterstützt ihn tatkräftig, der auch wunderbar Bowies Letter To Hermione intoniert. Smells Like Teen Spirit wird in siebeneinhalb Minuten durch den Vocoder gezogen, dass nur noch die Grundtöne des Pianos an Kurts Hymne erinnern. Stark! Black Radio ist ein tolles Album, das sich immer wieder aus Jazzpianomotiven ein anderes Genre sucht. Manchmal können Projekte mehr als nur cool sein. Geheimtipp!

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