Xiu Xiu Live – Hamburg, Kampnagel 12.04.2012

Jamie Stewart gurgelt mit Wasser und Tee! Die Tournee schlaucht. Trotz aller gesundheitlichen Probleme, auch der Bassist spielt mit schmerzverzerrtem Gesicht und Sehnenscheidmanschette, versetzt sich der Frontmann und Mastermind in Rage, so als wäre es das erste Konzert seines Lebens.
Zuvor haben AU aus Portland das Hamburger Publikum auf ein tolles Konzerterlebnis eingestimmt. Ihr Stakkato-Folk, nur mit Schlagzeug und Keyboard vorgetragen, hat Emotionen und Groove. Manchmal erinnern ihre Melodien an Squaredance und Krautrock, um dann im nächsten Moment in einer Pianoballade zu enden. Toll.

AU
AU ©Zloty Vazquez

AU
AU ©Zloty Vazquez

Der Sound auf Kampnagel, speziell in diesem Raum, ist schwierig. Vieles wird matschig wiedergegeben. Bei AU viel es schon auf. Auch Jamie Stewart hat mit diesem Sound zu kämpfen. Einige der Songs haben so nicht die Detailverliebtheit der Alben. Gerade die noisigen Parts, in Kombination mit Jamies Stimme, rauschen doch ganz schön. Xiu Xiu haben sich wieder umformiert. Leider fehlt Angela Seo. Ihr Perkussionsbaumgezimmer und virtuoses Synthiespiel kann die neue, schüchterne Tastenfrau nicht ersetzen. Das Schlagzeug ist straight und der Bass hat sechs Saiten.
Xiu Xiu
Xiu Xiu ©Zloty Vazquez

Aber eigentlich geht es um Jamie. Er winselt gleich zu Beginn sein Fabulous Muscles. Das Hamburger Publikum ist mucksmäuschenstill und hängt an Jamies Lippen. Cremate me after you cum on my lips. Honey boy place my ashes in a Vase. Beneath your workout bench. Xiu Xiu konzentrieren sich im Set auf das neue Album und ein Potpourri des dreizehnjährigen Schaffens. Leider fehlen Songs des Vorgängers Dear God, I Hate Myself. Dafür kommen wir Fans in den Genuss einer tollen, alten und ruhigen Nummer: Sad Pony Guerilla Girl. I like my neighborhood I like my gun. Drive in my little car I am your girl and I will protect you. We do it in the back of my little car. Pull up my pants and fix my bra.
Xiu Xiu
Xiu Xiu ©Zloty Vazquez

Hi und Joey’s Song knallen, gehen aber leider soundtechnisch an ihre Grenzen. Jamie schreit und schwitzt. Sein Gitarrenspiel ist außergewöhnlich. Zarte Pickings und monströse, verminderte Barrégriffe vereinen sich meisterlich.
Die Zuschauer schaffen es sogar, eine Zugabe zu erklatschen. Ein nervenaufreibendes Suicide-Cover (Frankie Teardrop) lässt Jamie mit dem Mikro um den Hals den S/M- Zampano machen. Wahnsinn! Nun brauche ich nur noch gelbe Socken, um als Edelfan durchzugehen. Konzerthighlight 2012!

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