Vinicio Capossela – Marinai, Profeti e Balene

Vinicio Capossela begibt sich auf eine magische Reise, die wie für ein Doppelalbum geschaffen ist. Vinicio lässt seinen Gedanken freien Lauf. In langen Shantys erzählt er von der Seefahrt, den Dämonen und anderen illustren Figuren aus der griechischen Mythologie. Seine Musik streift über Wellen, auch die großen amerikanischen Songwriter werden an Bord gezogen.
In Italien wird Capossela als Tom Waits bezeichnet. Andere sehen in ihm den wortreichen Bruder im Geiste Bob Dylans. Doch Vinicio kann für sich alleine stehen. Er führt Traditionen ins 21. Jahrhundert. Ein Schifferklavier spielt den Schrecken des Klabautermanns nach. Volksweisen werden sogar so liebestrunken vorgetragen, dass man sich die Kapitänsmütze schnappen möchte, um auf Deck ein Tänzchen zu wagen. Die ruhigen Momente erinnern nicht nur an die Soundtracks eines John Zorn, hier hört man auch Marc Ribot, einen Busenfreund Vinicios an der Gitarre.

Ein Hauch Bossa Nova weht herbei. Ein Landgang könnte die Beine wieder etwas härter machen. Das Meer ist der ständige Begleiter dieser tollen Liedersammlung. Leider bin ich der italienischen Sprache nicht mächtig. Doch der Klang reicht aus, um sich in die Geschichten hineinzufühlen. Bei jedem Landgang mehr wird ein wenig Cabaret und Jazz aufs Schiff geholt. Gehauchte, gruselige Schlaflieder lassen das Äffchen auf deiner Schulter einnicken. Marinai, Profeti e Balene wird dann auf dem zweiten Silberling etwas kruder, hätte man auch getrost weglassen können. Vielleicht würde aber auch so dann die Geschichte nicht funktionieren. Insgesamt tuckert der alte Kahn aber sicher im Heimathafen an. Ein Tip für Fans von Lucia Battisti, Adriano Celentano, John Zorn und Paolo Conte.

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