Stabil Elite – Douze Pouze

Drei junge Seiltänzer holen weit aus. Das Seil schwankt leicht im Wind. Doch es scheint genau vermessen; mit neuesten Methoden und alten Geräten. Auch das Gepäck der Artisten wurde mit Sorgfalt bestellt. Niemand ist ratlos. Und die Geräte sind gepflegt. Also, was soll schief gehen?
Nach der noch etwas indifferenten EP “Gold” wandern Stabil Elite nun auf “Douze Pouze” um so bereitwilliger durch niederrheinische Zitatenlandschaften. Kraftwerk links, DAF zur Rechten und Wolfgang Riechmann in der Mitte machen das weite Tal zum klassischen Sujet, über das die Band jederzeit hemmungslos verfügt. Darin läge die Gefahr sehr schnell, sehr banal zu werden. Doch Lucas Croon, Martin Sonnensberger und Nikolai Szymanski haben das nötige Gespür in ihre Referenzen nicht zu sehr zu romantisieren, nicht zu weit zu gehen.
Vor allem die ungewöhnlich frei angelegte Poesie ihrer Texte schafft ähnlich wie bei MIT ein unterhaltsames aber ernstnehmbares Gegengewicht, das man so lange nicht mehr gehört hat. Selbstbewusst vorgetragen erinnern die assoziativen Deklamationen an die frühe Phase der neuen deutschen Welle und evozieren dennoch die Atmosphäre einer neuen Generation. Thomas Leer und Robert Rental könnten sich von drei Düsseldorfer Präzisions-Ebenisten umarmt fühlen. So funktioniert das fragile Gebilde der Erneuerung der Erneuerer ganz gut.
Douze Pouze ist am 05.03.2012 bei Italic erschienen.
Stabil Elite

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