Frankie Rose – Interstellar

Frankie hat schon so einiges hinter sich gelassen. Die Vivian Girls, die Dum Dum Girls, die Crystal Stilts und die Outs. Nun gibt es quasi noch einmal einen Neuanfang.
Die 60er schimmern nur ganz selten am Firmament. Eigentlich sind sie nur ein vergilbtes Poster in einem Proberaum, der an der Eingangstür mit Edding “Kosmos” stehen hat. Der Noise ist vollständig von der Effektpalette gestrichen worden. Auch gut. Twang mal hier, mal dort. Die überall so geliebten 80er sind nun auf Frankies Nachttischchen gelandet. Oder hat ihr jemand ein Mixtape geschenkt?

Schon “Know Me” zeigt ihren Hang zu C86 und den Smiths. Eine typische Johnny Marr-Gitarre leitet Frankie durch die Nacht. Engelschöre untermalen Frankies Modulationen. In “Gospel/Grace” gibt es was für die Disintegration-Freunde unter euch. Ein Wiedersehen mit den poppigen Klängen der Veteranen The Cure. Auch gut! Frankie mixt die Stile und Referenzen geschickt. Sie klaut nicht, sondern lehnt nur an. Ein Basslauf, wie aus der Zeitmaschine, macht den Tanzboden sauber. Wirklich zauberhaft, wie die kleinen Melodien durch Donnerhall-Drums Gewicht verliehen bekommen. Der Jangle Pop ist sehr überzeugend.
Frankie hält sich stimmlich etwas zurück, denn sie genießt die neu erworbene Musikalität. Die freien Momente ohne Stimme haben wunderbare Melodieführungen. Nein, so kann man das auch nicht sagen. Eher, dass ihre Stimme nun weiß, wie sie, wann zu klingen hat. Ihre beste Gesangsleistung bislang. Für Frankie sind das alles neue Wege, auf dem Papier sieht das natürlich nach Lehrbuch aus. Joy Division abhaken. Next! Ein Cello fürs Ende. Gekauft!
Die Arrangements sind wirklich als tadellos zu bezeichnen. Jede Bridge bekommt genug Ornament zur Hand, dass auch sie hell leuchten kann und sogar manchmal einen Refrain so blendet, dass dieser gar nicht mehr so glänzen muss, falls er überhaupt noch mal aufschlägt. Ein klasse Popalbum, dass noch sehr oft in meinem Player landen wird. Irgendwie schön bei dieser Weiterentwicklung teilnehmen zu dürfen. “Interstellar” ist pulsierender Pop, der die Helden ehrt und mit einigen theatralischen Dream Pop-Fanfaren auch die letzte Prinzessin überzeugen kann, doch mit dem Gitarrespielen zu beginnen.

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