Klassiker: Arthur Verocai – Arthur Verocai

Verocai hat es oft gewagt Songs nur anzureißen, dies tat er gerne für Fernsehmelodien, die er mit Brazilian Groove versah und Bläser schwelgen ließ, die sich an Jazz orientierten, aber nicht das Solo im Hinterkopf hatten, sondern als Füllmaterial für andere Instrumente, wie einem Rhythm Shaker oder einer Wah Wah-Gitarre dienten oder für seinen eher unbekannten Soloausflug.
Die frühen 70er scheinen durch die Songs, wie eine lächelnde Sonne, der mit einem Alltagshammer immer auf die Birne gehauen wird. Alles wird durch die Mühle gedreht, wenn auch nur kurz und ohne sichtliche Schmerzen. Joabim, Gilberto Gil, Gal Costa oder Edu Lobo und Marcos Valle. Das waren die Großen. Arthur schüttelt nur kurz Hände. Sein Space ist knapp bemessen. Manchmal singt Verocai auch ein paar Zeilen und hat so sogar den Pop mit ins Boot gezogen. Verocais Gitarre darf sich an jazzy Tunes orientieren, doch mit einer Inbrunst, die auch den amerikanischen Funk bedient oder bestiehlt, wie man will oder Platz macht für weibliche Backgroundstimmen.
Große Streicher fliegen durch einen Soundtrack, der nur noch Bilder benötigt, doch Verocai lässt uns zappeln. Wolken werden mit brasilianischer Lust weggesungen. Ein Fingerschnippen macht aus dir einen Dirigenten. Manchmal gibt es sogar eine imaginäre Showtreppe, nur niemand kommt herunter getänzelt. Das Orchester ist der Star, das eine Welle macht, die dich mitnimmt in die Sphären, die vielleicht dann später nur noch Stereolab so ausgefüllt haben.

Selbst in Brasilien ist Verocai kein richtiger Star, obwohl er an fast allen wichtigen brasilianischen Aufnahmen der Siebziger als Arrangeur tätig war. Verocai ist für Schönheit zuständig gewesen, ohne es auf die Spitze zu treiben. Also dimme das Licht, öffne einen guten Wein und flüstre dreimal: “Bossa Nova”! Verocai kommt dann auf leisen Sohlen aus der Nische und zeigt dir, wie schön, aber auch kurz Glück klingen kann. Nach einer knappen halben Stunde hat dich der Winter und der Ehekrach wieder.
Das Soloalbum galt lange als verschollen, einige Kenner sprechen auch von einem Feuer, in dem unzählige Kopien verbrannt sein sollen. Vielleicht! 2003 wurde das Werk dann wieder veröffentlicht. Verocai schafft es beide Seiten des Äquators mit einem Schnürsenkel zu verbinden. Er macht zwar nur einen laschen Knoten, also musst du in jeder Sekunde aufpassen, dass er nicht aufgeht und du eine Seite für immer verlierst. Zeitlose Musik. Und wenn Celia anfängt zu singen, wünschst du dich in einen Weinberg oder an die Copacabana, die wir Träumer heimlich Princesinha do Mar nennen.

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