Michael Trommer – Edgelands

Die Welt wird zum Versuchslabor. Dabei scheinen die Randgebiete städtischer Agglomerationen alles zu bieten, was man für einen im besten Sinne offenen Experimentierbaukasten braucht. So, oder so ähnlich könnte sich die akustische Situation in den kulturellen Übergangszonen für den in Toronto lebenden Klangkünstler Michael Trommer dargestellt haben, als er begann die Außenbezirke städtischer Großräume auf ihre akustischen Eigenschaften hin zu untersuchen. Mit all ihren Fabriken, Kraftwerken und Brachen, mit ihren Ausdehnungsprozessen und Niedergängen stellen sie gerade auch als Lautsphären Übergangszonen zu benachbarten Strukturen dar, ein bisher weitgehend unerforschtes Terrain.

Dabei scheint Trommer, der schon an zahlreichen Orten Audio-Installationen aufbaute, nicht den puristischen Phänomenologen zu geben. Im Gegenteil, er experimentiert ebenso mit den Positionen der Mikrofone, wie er mit seinen untersuchten Objekten manchmal zu spielen scheint. So kommt er, zu erstaunlich kleinteiligen, ja manchmal fast kargen Ergebnissen. Zwar schichtet sich oft in kurzen dichten Momenten Wiedersprüchliches übereinander, doch kommt es nicht zu spektakulären Konfrontationen von klanglichen Gegensätzen. Oft vermisst man sogar die Abbildung räumlicher Tiefe durch gewohnte Staffelungen von Geräuschen, da sich bei Trommer vieles prominent im Nahbereich abspielt.
An manchen Stellen verliert man sogar das Gefühl für den akustischen Außenraum. Jedoch, das muss nicht enttäuschen. Im Gegenteil, das ist die eigentliche und überraschende Erkenntnis: Die Welt wird zum Versuchslabor. Bei Michael Trommel scheint sie sich selbst einzustülpen in einen imaginären Raum voller neuer Möglichkeiten. Ein erstaunlicher Prozess, der sich allerdings nur demjenigen erschließt, der nicht nach dem spektakulären Momentum sucht.
“Edgelands” ist am 15. Februar 2012 bei Gruenrekorder erschienen.
Michael Trommer

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