The Magnetic Fields — Love At The Bottom Of The Sea

Stephin Merritt folgt sehr strikt seinen Regeln. Er hat zwar jetzt die Synthies zurück ins Boot geholt, dafür aber alle Songs auf unter drei Minuten gekürzt. Wenn man älter wird , lernt man das Kurze lieben, so Merritt. Man muss sich von endlosen Gitarrensoli lösen. Das neue The Magnetic Fields-Album ist wie immer eine große Wundertüte. Merritt versteckt seine Pophymnen und Geschichten über die Liebe und das Leben der Großstädter, mit all ihren Problemen und Eigenarten, hinter allem möglichen Soundgedöns.

Da spielt eine Gitarre Voiceeffekte nach, da pluckert und scheppert eine Kinderorgel, wie auf der Kirmes oder in der Dorfdisko in den 80ern. Die Beats sind nur da, um die restlichen Bandmembers bei der Stange zu halten. Aber so war es doch irgendwie immer.
Wunderbare Melodien flackern an unmöglichen Orten auf. Manchmal begreift man gar nicht, wie toll ein Song ist, denn das Drumherum lenkt einen zu sehr ab. Vielleicht liegt es auch am ständigen Wechseln der Leadstimme. Gut, das war auch immer schon so, doch es fällt immer wieder auf, dass man sich schon konzentrieren muss, um den Geschichten mit aller Aufmerksamkeit zu folgen.
Große Refrains stehen neben losen Strophen, die manchmal sogar wirklich schwere Töne anschlagen, um dann im Chorus aufzubrechen. Das ist die große Kunst des Top-Songwriters Merritt. Er weiß, wie Melodien funktionieren. Er kann in die Trickkiste greifen und wir merken gar nicht, wie das passieren konnte, dass man den ganzen Tag Merritts Melodien pfeift. Die Songs haben sich in den letzten Jahren nicht groß verändert. Merritt schreibt halt so. Und dass jetzt die Synthies und anderen Gerätschaften zurückgefunden haben, fällt zwar auf, ist aber auch nicht so wichtig.
Merritt, Simms und Gonson teilen sich die Stimmen. Kleine Indie-Streuner kommen so ans Tageslicht gespült. Einige bleiben hängen, andere rutschen so durch. Vielleicht entdeckt man sie dann beim zehnten Anlauf. Tolle Texte runden ein wahrlich gutes Album ab, das sehr gut zum Rest des Backkataloges passt. Der Fluch der 69 Lovesongs wird Merritt aber noch einige Jahre beschäftigen.

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