Caspian Live – Hamburg, Haus 73 07.02.2012

“Und ich dachte, die würden singen!” “Nein, das ist Mogwai 2.0!” So kann man sich täuschen und am Ende werde ich doch irgendwie Recht behalten.
Caspian hat es nach Europa verschlagen. Der Geheimtipp aus den USA macht seit 2003 den Postrock unsicher, den Mogwai, Sigur Rós und andere ihnen übrig gelassen haben. Breitwände aus drei Gitarren treffen auf stoische Drums, einen brummenden Bass, der nur für die Bauchdecke da ist und perfektioniertes Glockenspiel oder Ambient-Synthies an den Rändern. Das Hamburger Publikum staunt. Wie immer ist es gespannt und kritisch zugleich. Zwischen den Songs versucht es, so etwas wie Applaus hinzukriegen. Sogar die Band findet ihr Publikum zu ruhig. Ja, hier sind auch schon andere gescheitert.

Caspian geben ihrem Set nur wenig Luft zum Atmen, dann wird der Helikopter wieder angeworfen und der Rausch hält an. Leicht schlampig gespielt, entwickeln sich die Songs zu dicken Brechern, die an den Fliesen des Hauses 73 zerschellen. Nicht alles zündet. Auch der Sound bei den ersten drei Stücken ist nicht gerade ‘ne Wucht. Die Snare geht im Brei unter und das differenzierte Gitarrenspiel bleibt nur optisch ein Highlight. Doch Caspian spielen munter weiter. Die Haare und Köpfe fliegen. Beim Publikum aber erst bei der Zugabe.
Caspian schaffen es ihre Bretter, mit viel Kleinkram zu füllen. So wird der sogenannte Postrock nicht langweilig. Anspruchsvolle Zwischenparts gibt es eher selten. Lieber direkt auf die Zwölf. Alles spielt sich in der 5 Minuten-Liga ab. Da muss man schon Sound anstapeln, um interessant zu bleiben. Das Konzert ist ein dichtes Vergnügen, dass einem die Ohren säubert und für Eurostückegeklimper an der Theke und sinnentleerte Gesprächsfetzen der Nebenmänner schärft.
Konventionell ist das ganze leider aber auch manchmal. Gerade in den wenigen ruhigen Momenten, spürt man die Vorhersehbarkeit. Ein Song wird dann doch mit einer verfremdeten Stimme versehen. “Muss wohl was Neues sein”, wird hinterher bei einem Bier gefachsimpelt und ich gebe zu, dass man das nicht Singen nennen konnte. Trotzdem fühle ich mich bestätigt. Mir persönlich hat die dänische Vorband THE SHAKING SENSATIONS ein wenig besser gefallen, da sie ihren Postrock etwas filigraner darbot und sich mit dem Holzhammer zurückhielt. Und zwei Drummer in einer Band zu sehen, hat mich seit den Melvins nicht mehr so fasziniert. Caspian werden ihren Weg gehen. Ob ich immer dabei sein werde, steht in den Sternen.

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