Paul McCartney – Kisses on the Bottom

McCartney lehnt sich zurück und sein Blick wandert durch die Fotoalben seiner Eltern. In seinem Kopf versucht sich, eine Stimme Gehör zu verschaffen, die aber nicht mehr die Puste ihrer goldenen Zeiten hat. Auch die Bauchstimme gibt nur noch bruchstückhaft das wieder, was sie mal auf dem Kerbholz hatte. Und trotzdem ist das neue Album ein stimmiges Vintagegeschenk an die Liebe und nicht nur für Fans.

Ein Song zum Valentinstag darf dann auch nicht fehlen. Überhaupt Kisses on the Bottom ist reichlich gefüllt. McCartney konzentriert sich auf sein Swinggefühl, auf seine Stilsicherheit, die er nicht immer hatte und auf die Klassiker seiner Kindheit und Jugend. Eine amtliche Backingband, mit Diana Krall als Vorsitzende, spielt glasklar alle Bluenotes und Techtelmechtel und Paul gibt seinen manchmal angekrampften gelben Ton hinzu. Slowhand Clapton darf mal wieder Akzente setzen, ohne wirklich aufzufallen, obwohl man ihn an jedem Fingerzeig augenblicklich erkennt. So muss es wohl sein. Und Stevie Wonder gibt sich einem Mundharmonika-Solo hin, das wirklich alle Mundharmonika-Hasser bestätigen wird.
Das Album klingt nach Weihnachtsbaum. Das ist positiv gemeint. Die Stücke, von denen zwei aus der Feder Pauls stammen, haben angenehme Streicher im Rücken. Die Produktion ist klein gehalten, auch wenn man weiß, dass da wirklich viel arrangiert, geschraubt und probiert wurde, trotzdem klingt es wie aus der Hüfte geschossen. Die 20er und 30er Jahre hüllen sich in Barjazzatmo.
McCartney macht das beste aus seiner in die Jahre gekommenen Stimme. Denn das nicht mehr ganz Frische macht den Charme der Platte aus. Die Jazzstandards, mit einem angeschossenen Star am Mikro, mucken schwungvoll durch die frostige Jahreszeit. Ob McCartney jemals noch einen würdigen Nachfolger für Chaos And Creation In The Backyard zu Stande bringt, ist fraglich!

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