Bebe – Un Pokito De Rocanrol

Spanische Rockmusik hat es nicht leicht, in Deutschland Anklang zu finden. Natürlich gibt es einige bekannte Ausreißer wie Maná, die aber aus Mexico sind oder Heroes del Silencio, doch meist sind es die Plastiksommer-Lieder, die kurz in den Charts auftauchen, um dann als Maxis in den CD-Schränken zu verfaulen, wie im Trolley vergessene nasse Bikini-Höschen. Bebe lässt sich aber nicht beirren, reist sogar nach Paris, um noch mehr zu verwundern.
Sie startet mit einem 6-Minüter, der in zwei Songs unterteilt wird, der schnöde rockt, um dann zur Überraschung in den HipHop und zu Justin Timberlake oder Nicki Minaj zu driften. Gewöhnungsbedürftig, aber mutig.

Danach wird es spannender, denn immer wenn Bebe haucht und ihren noch vorhandenen Kleinmädchencharme spielen lässt, wird es interessant. Dann erinnert sie sogar an große Zeiten, in denen Les Rita Mitsouko mit Punkattitüde die Welt eroberten, obwohl sie aus Europa stammten. “Adios” hüpft süß mit vielen Worten auf einer Kindermelodie herum. Wilde Percussions folgen, die einen Störbass als Unterlage haben, auf die dann eine Gitarre als Sirene verkleidet ihr Unwesen treibt. Bebe wehrt sich in einigen Liedern, den Refrain zu zelebrieren. Ihr geht es um eine wilde Mischung, die die Stile mixt. Stillos wäre das falsche Wort, denn Bebe weiß schon, warum sie ihre Görenart einsetzt und wieviel sie da machen muss. Mir persönlich gefallen die langsamen Stücke besser, wenn Bebe gedankenverloren einer Bossa Nova-Figur folgt wie in “Sabrás“.
Toll produziert ist das ganze ja. Wenige Instrumente beherrschen die Idylle, die von Bebe mal verfeinert, mal eingerissen wird. Die Dick Dale-Surf-Einschübe klingen weltoffen und gar nicht so falsch. Bebe singt wie ein kleines Teufelchen. Sie hüpft wie ein Rumpelstilzchen, lässt kaum noch Luft zu. Das kann dann schon ein wenig über das Ziel hinausschießen, vielleicht aber auch nur, da ich den Text nicht verstehe, und mit zu vielen Informationen zu kämpfen habe.
Bebe liefert eine abwechslungsreiche Aufnahme ab, die eigentlich zwischen den Nischen Rock, Weltmusik und europäischer Arroganz, die sich immer wieder mit Unwissen an amerikanischem R&B versucht, hin und her pendelt. Mal schreien die Songs nach heftig gemixter Sangria, manchmal aber auch nach kalter, zwei Tage alter Gazpacho. Die Funk-Punk-Anflüge kann man verzeihen, auch die prolligen Dancefloor-Ausflüge, die das Wilde/Agressive suggerieren und Streetcredibility einfordern wollen, das Auslassen griffiger Refrains leider nicht.

0 Gedanken zu „Bebe – Un Pokito De Rocanrol“

  1. Hat mich sehr verwundert einen Review auf einer deutschen Seite zu finden.
    Ich fahr total auf die zwei anderen Alben von Bebe ab. Bin schon total gespannt auf das neue.
    Vielen Dank auf das Review, weckt Vorfreude auf! 🙂

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