Sharon Van Etten – Tramp

Sharon Van Etten schippert mit ihrer Simplizität auf dem großen Kahn, der auf den Namen PJ Harvey hört. Wie eine Galionsfigur hängt Polly Jean Sharon im Nacken, doch sie treibt sie auch an. Einige Peitschenhiebe später endet alles in Harmonie.
Sharon versucht sich gar nicht erst mit Showtaktiken, ein anderes Gewand überzustreifen. Das macht sie sehr sympathisch. Die Songs sind Singer-Songwriter-Hymnen, die von Sharons Stimme “soulful” intoniert werden. Dass die Indie-Allstars im Hintergrund für Gesprächsstoff sorgen, macht eigentlich nicht viel aus. Zach Condon taucht auf, Aaron Dessner von The National hat produziert und seinen Bruder mitgebracht. Aber hier wirkt das Ganze nicht überstrapaziert. Die Songs gehen ihre normalen Akkordfolgen stur ab und erzeugen so ein klangliches Gesamtbild, das man als geglückt bezeichnen kann.

Die Gitarren, egal ob akustisch oder elektrisch schimmern in der Abendsonne der Liebe. Ich mag die ruhigen Momente, in denen sich der Hall wie eine Brille auf ein aufgeschlagenes Buch legt und Sharon ganz bei sich ist. Oft wirken die Songs wie Brisen. Manches plätschert und man wünschte Sharon ein wenig mehr Mut. Van Etten bietet zwar ein erwachsenes Singer-Songwriter-Album an, das mit rohen Gefühlen spielt, aber leider auch ein wenig beliebig ist und so nicht Polly Jeans Kopf vom Bug schlägt. Schenke es deiner Nachbarin, die immer morgens diese Gesangsübungen unter der Dusche macht. Vielleicht duschst du dann bald nicht mehr allein.

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