Mark van Hoen – The Revenant Diary

Wiedergänger oder Widergänger? Die schon über 250 Jahre alten Auswirkungen eines heute mehr als grotesk anmutenden Gelehrtenstreits kondensieren sich nur noch schal in kleinen Buchstaben aus. Ein blasser Hauch überlagert unscharf jauchzende Stimmen in der Ferne als Anmutung, als Andeutung. Im Flug. Als Medium.
Doch keine Angst, bei Marc Van Hoens neuestem Tagebuch geht es nicht um trendgeformte Vampire oder Elfen. Die Stimmen der Toten dürfen bei ihm zwar in die erste Reihe treten, aber niemand zittert. Sie nehmen den Gänsefederkiel in die eine Hand und schlagen mit der anderen den staubigen Buchdeckel auf. Ein neues Kapitel, das man nicht unbedingt auf Anhieb versteht.
Diejenigen, die zu hoffen wagten, Mark van Hoen könnte nahtlos an sein Locust-Meisterwerk „Truth is Born of Arguments“ anknüpfen, nachdem im vergangenen Jahr sogar Seefeel in einen Jungbrunnen fielen, mögen sich ihrer Enttäuschung hingeben. Immerhin, die Handschrift Marc van Hoens ist auf „The Revenant Diary“ deutlich wiederzuerkennen. Klarheit und Größe im Raum geben den weiblichen Stimmen unbekannter Herkunft den größtmöglichen Glanz-Überbau. Nur, die Kontraste zu Sound und Arrangement sind nicht mehr so radikal wie früher. Er konzentriert sich nun eben noch mehr auf die Stimme.
Die weibliche Stimme ist nun nicht mehr nur das unbekannte Wesen, sondern die grenzenlos überhöhte Heroine. Manchmal mutiert die Figur sogar zur unbekannt verblichenen Soldatin, die eben aus jenem Totenreich winkt und singt. Zusammen mit den überraschend verhalten angelegten Drum-Patterns ergeben sich eher ins weltmusikalisch auffächernde monostrukturelle Stücke, was van Hoen sicher nicht misslungen ist. „The Revenant Diary“ spielt souverän auf kosmopolitischen Skalen, ohne dennoch wirklich Großes zu zaubern.
“The Revenant Diary” ist im Januar 2012 bei Editions Mego erschienen.

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