First Aid Kit – The Lion's Roar

Wieder einmal schaffen es Geschichten, zweistimmig vorgetragen, sich unaufhaltsam durchs Gestrüpp zu spielen. Emotionen werden mit uralten Mythen verquirlt, um sich dem Menschenleben so zu nähern, dass Tradition zur Werkschau und zu einem großen Plan wird.

Bekannte Musiker des Saadle Creek-Umfeldes, nicht zuletzt Conor Oberst, schauen vorbei. Das Duo mutiert zur Muckerband. Klingt fies, doch das Rezept geht auf. Alte Zeiten werden mutig zitiert und ins Hier und Jetzt gehievt. Folkkompromisse werden keine gemacht. Den Söderberg-Schwestern geht es um Authentizität und die lassen sie sich nicht durch Plastik oder anderen Müll vermiesen. Warme Klänge schubbern sich; schreien mit vorgehaltener Hand nach Geborgenheit, aber auch nach Weitblick und Suche nach den Gefühlen junger Reisender. Wie Enkelinnen großer Künstler des Folk und Country verstehen es First Aid Kit, sich dem Anbiedern zu entziehen.
Natürlich wirkt das ganze Gerüst etwas altbacken, doch die lupenreine Produktion mit den urtypischsten Instrumenten, die über Berg und Tal reiten, lässt einen wohlig erzittern. Die Stimmen der beiden Schwestern sind jung, dynamisch und doch voller Brüche. Traurigkeit durchströmt die dicken Wollpullover. Sie meinen es ernst. Sie machen nicht auf Freakfolk, benötigen keine Nerdbrillen und schrullige Hampelleien. Traumwandlerische Melodien, die natürlich nie Töne in Erwägung ziehen, die es nicht schon mal gegeben hätte, versetzen die Girls fast in Trance. Da gibt es nur ein Mittel, um dagegen anzuspielen. Ein Glockenspiel. Das Glockenspielgeklimper weckt die Mädchen, da tröpfelt fast ein wenig Pop in den Poncho. Immer dann wird es interessant, wenn man spürt, dass man auch etwas anderes versuchen könnte. “Blue” ist mein Lieblingslied. Der Rest ist amtlich, schön und für die Teestube komponiert. Oder für WDR 4.

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