Wechsel Garland – Dreams Become Things

Wenn Schiffe als Wasserfahrzeuge bezeichnet werden, wenn sie zu Gefäßen auf den Meeren werden, gehen damit Gedanken über Träume und Verfassungen einher. Zustandsbeschreibungen der menschlichen Psyche in Transformation.
Charakteristisch für die musikalische Arbeit Jörg Follerts ist das Sinnieren über unsere Innenwelten. Seine Nachdenklichkeit findet immer diese Art großer Geste, die tiefe Empfindung zum Ausdruck zu bringen weiß.
Streicher türmen sich in langen Kaskaden wie Wolkenberge über dem Horizont auf. Ein Intro mit filmmusikalischer Wahlheimat begrüßt uns und bewirkt das, was ein gutes Intro bewirken sollte: Es weckt Erwartungen. Das leichte Zupfen einer Harfe zoomt uns in eine makroskopische Welt der Details, der kleinen Dinge, die immer auch wichtig sind. Nichts ist belanglos, schon gar nicht unsere Gefühle. Da braucht eine scheinbar beiläufig mitsingende Stimme nicht immer einen Text. Manchmal handelt es sich um das alte Lied, an das man sich nur noch schemenhaft erinnert. Oder es ist die ungehörte Melodie, die uns ein Radiolautsprecher zufächelt.
Da überrascht es nicht, dass auf „Dreams Become Things“ neben den poetischen Bildern von Schiff, Pferd und Blindheit wieder die für Wechsel Garland so typischen offenen harmonischen Gebinde auftauchen. Septakkorde spreizen unsere Entscheidungsfähigkeit, verfangen sich und uns in Andeutungen und Abbrüchen. Denn wir alle wissen nur zu gut, dass Fragen formulieren zu können schon so viel bedeutet, und darin auch immer schon ein Teil der Antwort stecken mag. Während wir noch über diese Art von lebenserfahrenen Einfachheiten nachdenken, gehen wir schon wieder auf Reisen. Und auf Reisen wird man sich noch immer am besten klar über sich selbst und seine Träume. Über die Hoffnungen, die nun endlos sind. Dreams become Strings.
“Dreams Become Things” ist im Dezember 2011 bei Strzeleckibooks erschienen.

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