Musik à la carte Vol.11: Two Gospel Keys – I Don’t Feel at Home In This World Anymore

Manchmal sitzt man betrübt auf dem Sofa rum. Ich krame dann meistens im Vinylregal, um meiner Stimmung, das richtige Liedchen zu verpassen. Andere haben da ein Weinregal, doch mir ist nach etwas mehr Leid. Beim Trübsalblasen bleibe ich dann desöfteren bei Country oder Gospel hängen. Der Titeltrack der “I Don’t Feel at Home In This World Anymore”‬-Compilation hat es mir angetan. Eine traurige Aufnahme, die einem das Wasser in die Augen treibt. Kann etwas trauriger sein? Ist das deine Kultur, was ist Kultur, wem gehört Kultur und was machen all die Menschen hier? Ach, Menschen! Ist man nur zu Besuch?
Melancholische Harmonien zerfetzen mein Großstadthirn. Was ist Heimat? Bin ich schon zu Hause angekommen oder muss ich doch noch weiterziehen? War ich jemals weg? Mein Land, dein Land, unser Land! IKEA lügt doch.
Passend dazu kredenze ich mir einen Ginger Splash. Mit 4.0 cl gutem Gin. Da sollte man nicht sparen. Bombay Sapphire Gin muss es mindestens sein. Greenall’s Bloom London Dry Gin wäre noch besser. 2.0 cl Holunderblütenlikör kommen dazu. Hier nimmst du St. Germain. Nicht ganz billig, aber ergiebig und frisch gepresste Zitrone. Rund 1.0 cl. Das gibt schön Säure.
Profis pressen sich noch 2.0 cl Ingwer. Nicht ganz einfach, macht diesen Drink aber fantastisch. Danach kommt noch etwas Süße dazu. Etwa 1.0 cl Zuckersirup, zum Beispiel von Giffard. Dann ist es nicht mehr weit und die Welt gehört wieder dir. Alles. Jeder Baum, jede Garageneinfahrt oder jede Regenpfütze. Ein Hauch Lakritz-Likör gibt dann noch Farbe und Gehalt. Der Name Dirty Harry schreckt nur kurz ab. Ich denke an Eastwood und an Harald Schmidt.
Ich genieße die Nummer mit meinem Drink auf dem Sofa. Heizung an. Ich sehe Zeiten vorbeifliegen. Will ich noch weiter? Oder hat mich meine Kultur schon einverleibt? Mir geht es doch eigentlich ganz gut. Wenn ich jetzt noch rauchen dürfte, wäre alles perfekt. Leider muss ich dafür in die Küche ans Fenster oder wenn es ganz hart kommt nach unten. Da ist es wieder dieses “I Don’t Feel at Home In This World Anymore” …

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