Musik à la carte Vol.10: Schubert – Wilhelm Kempff – Sonate D 959 in A Major No.2 Andante

Das Kopfkino dimmt das Licht. Auf der selbstkreierten Leinwand erscheinen schemenhaft die Protagonisten. Bei mir sind es koreanische Gesichter, die sich durch den Alltag kämpfen, wie in einem Kim Ki Duk-Film. Gewalt bestimmt das Leben, die Liebe das der Anderen. Es wird nicht gesprochen, nur gehandelt.

Wilhelm Kempff spielt verhalten stürmisch und lässt so die Seele des geneigten Zuhörers baumeln. Um noch tiefer in die Materie vorzudringen, benötige ich einen Schluck Wein. Man will nicht als Banause gelten, also Wein muss es schon sein. Alles andere wäre doch ein Fauxpas. Doch welcher passt zu dieser doch aufwühlenden Stimmung? Ein roter wäre zu schwer, würde einen fast betäuben und hat so viel mit Geselligkeit und Romantik am Hut, die hier fehl am Platz wären. Romantik? Rotwein? Bleib locker! Natürlich kann man auch einen guten Rotwein trinken, alleine, und sich eine zweite genehmigen und sich benebelt auf dem Sofa wälzen, mit sich und der Welt im Clinch, doch zu Schubert sollte es etwas Spritziges sein. Für Rotwein gibt es andere Kaliber.
Säure scheint vonnöten. Ein Riesling scheint die zu akzeptierende Wahl zu sein. Um Schubert näher zu kommen, empfehle ich einen österreichischen. Einen Welschriesling. Die fruchtige Säure hält mich wachsam. Mein Kopfkino benötigt kein Popcorn und keine Käsenachos. In meinem Kinokomplex gibt es keine Rolltreppen. Ein gut gekühlter Welschriesling begleitet meine Protagonisten durch extremstes Terrain. Nach der ersten Flasche bin ich kurz ein wenig betrübt, fast verbittert, doch das waren nur die Bilder, meine Vorstellungskraft und Angst. Schubert und Kim Ki Duk können nichts dafür. Die zweite Flasche lässt mich aufstossen, dass gehört nun mal zum Geschäft, wenn man sich mit Klassik umhüllt und dazu keine Gummibärchen-Getränke reicht. Ein Sodbrennen zeigt mir, dass ich noch am Leben bin. Ein Stilles Wasser behebt dann die Probleme und ich komme in den Genuss, etwas Erhabenes gehört zu haben. Der Vorhang fällt…

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