Klassiker: Dolly Parton – Coat Of Many Colors

Dolly Parton war schon etabliert, doch der richtig große Wurf war noch nicht geglückt. Die Country-Szene hatte ihre Stars und da war es schwer, sich unter sie zu mischen oder vielleicht sogar auszuboten. Andere Frauen hatten vor ihr schon den Stetson gezogen mit Liebelei-Country, der züchtig daherkam, auf dieses Pferd wollte Dolly nur noch bedingt setzen. Dolly ging 1971 einen Weg, der sie an die Spitze katapultieren sollte und der mutig war. Tolles Songwriting, sieben der zehn Songs stammen zum ersten Mal aus ihrer Feder, kombinierte sie mit sehr guten Texten, die nicht immer nur Reimmonster oder Schmonzetten waren, sondern Problemthemen anpackten, wie das Titelstück zum Beispiel, das wirklich zu Herzen geht. Diese tollen Texte brachte sie in Tearjerker, Balladen, Country Rocker und Country Pop unter. Das Genre bewegte sich.

Ihre Backing Band spielt fantastisch. Hervorzuheben ist da der Bass von Bobby Dyson. Er macht die typischen Countryhüpfer immer an den richtigen Stellen und stellt sich in den Schatten der Songs, um sich auch von dort aus mit krummen Figuren Gehör zu verschaffen. Er weiß, wann die Zeit zu rocken oder zu füllen ist. Traumhaft.
Über dieser Wahnsinnsproduktion, die so simpel daher kommt, dass es einem manchmal Angst macht, was aus Produktionen heute so geworden ist, gerade auch im Country, schwebt eine spielfreudige Dolly, die ihre Stimme wunderbar unter Kontrolle hat. Sie drückt sehr viel Gefühl und Wärme in die Worte. Man hängt ihr an den Lippen. Egal, wie hoch Dolly geht, man geht mit. Die Geschichten überschlagen sich. Eine Mutter nimmt ihrer Tochter den Mann weg. Eine Frau muss ihrem Mann beim Sex mit einer anderen zusehen und Mama macht aus ollen Fetzen einen Mantel, der die Tochter so glücklich macht, dass sie erkennt, was wahrer Reichtum wirklich bedeutet. Da darf sogar die Bibel mit ins Spiel kommen.
Die drei Songs, die Porter Wagoner geschrieben hat, fallen nicht ab, sie spiegeln sogar noch mehr Pop in den Country. Ein warmes Klavier bringt “The Way I See You” an die Spitze. Smoother wird Dolly wohl nie mehr klingen. Mein heimlicher Favorit. Am Ende zeigt Dolly mit “Here I Am”, dass sie angekommen ist. Fast im Rock ‘N’ Roll, in den Charts, in der Szene und in den Herzen. Es gibt keine Grenzen mehr. Das wollte der Country doch und Dolly ist in dieser Phase meine Liebste.

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