The Roots – Undun

Herzstillstand! Redford Stephens ist gestorben und The Roots erzählen die Lebensgeschichte des fiktiven Charakters nach. Dies tun sie in alter Manier mit warmer Ästhetik und schwofender Popaffinität. Immer wieder schnippt es durch getragene Stücke, die die Wege Stephens nachzeichnen und viele falsche Entscheidungen an Kreuzungen des Lebens erläutern. The Roots erzählen nicht vom Ponyhof, sondern von der Realität des Ghettos, der Straße.

Refrains klingen harmonisch in der Masse, lassen aber auch Platz für Instrumentals, die sich an den Anfang der Lebensgeschichte gemogelt haben. Free Jazz gibt dem Konzept Platz und die nötige Sperrigkeit. Kurz, aber eindrucksvoll. Die Streicher schielen sich immer wieder in den Vordergrund, denn hier wird gelebt und gestorben und das geht nicht ohne Geigen. Vielleicht gab es da noch keine Worte für die Findung und den Beginn eines doch traurigen Lebens. So sind das Ende des Albums, also der Anfang des Lebens Stephens, kleine Babysteps ohne Raps. Klingt kompliziert, ist es aber gar nicht. Die Instrumente spielen sich sanft in Trance. Soul, Funk und Rock-Elemente säumen die Geschichte. Klassische Motive geben den Schöngeist, die Hoffnung und die Geburt wieder. Vieles flirrt in leichtem Sonnenschein, doch man spürt in den Akkordwechseln, die Wichtigkeit, das Konzept.
Gut, dass The Roots wissen, wann sie die angejazzten Akkorde wechseln müssen, um doch den Kopf ein wenig nicken zu lassen. Der Flow stimmt. Immer wenn die Stücke leicht ausfransen und sich die Chöre einmischen, wie ein Loop, dann bekommt das Album einen mächtigen Zug und spielt sich in kräftige Höhen. Ein Klavier ummantelt die Tragik auf höhstem Niveau. The Roots haben wirklich ein gutes Album an das Ende des Jahres gepackt, da werden sie natürlich in den Blogs und den Magazinen aus den Jahreslisten fallen, doch das wird die Jungs nicht stören, vielleicht ist das sogar Absicht und sie wollen das Jahresende nutzen, um eine Geschichte zu erzählen, die eine Reise ist und nur im Winter, kurz vor Toreschluß funktioniert und wirkt. Manches ist zu dick aufgetragen. Klar! Manches bekommt den Konzeptstempel nicht mehr von der Haut und doch ist das hier mehr als amtlich. HipHop hat dank The Roots immer wieder Geschichten, die sich nicht mehr nur um Bling Bling und Schwanzvergleich, sondern um Einzelschicksale kümmern.

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