James Ferraro – Far Side Virtual

Dein Don Johnson-Anzug ist verknittert. Da muss sich der alte Moroder-Synthie in der Sakko-Tasche breit gemacht haben. Da kommt eine SMS rein. Nein, deine Skype-Kontakte piepen dich an. Mit dem Extra-Blubb der Sympathie!

Im Hintergrund siehst du Werbefernsehen! Enjoy das oder vielleicht das. James Ferraro nutzt die fiesesten Klänge der Welt, um sich daran totzusamplen. Ein Saxophon trötet wie bei frühen Grönemeyer-Balladen. Du bist zu Hause oder im Skizzenbuch von Drehbuchautoren vergilbter Fernsehserien. Dein Rechner fährt hoch oder runter. Such dir was aus. Ferraro bastelt sich eine krude Fahrstuhlmusik zusammen, die dich in entspannter New Age-Manier an den Hotelpools dieser Welt verweilen lässt. Traumsequenzen mit einer Mad Men-Joy machen dich wild, obwohl du immer wieder auf den Laptop starrst, da dich dieses Skype-Geblubber wahnsinnig macht. Ich habe doch auf “Beschäftigt” geklickt.
Ein wahnwitziges Randy Newman-Klavier spielt dir Altbekanntes vor. Ferraro nervt zuweilen, kann aber auch unterhalten. Das ist es wohl. Die vielleicht bestkonzipierte Unterhaltungsplatte im Genre “Klau mich oder ich fress dich”. Da klingelt dein Handy. Aufeinmal bist du in Tokyo am Flughafen. Welches Sushi-Meal wählst du? Bekloppte Platte, die dich in einen Fotoautomaten setzt und dich ständig aufruft, etwas zu wählen. Vielleicht wählst du den Aus-Knopf, vielleicht bist du aber schon so abgestumpft, dass dich das Jingle-Werbegedöns nicht mehr aus der Ruhe bringt. Ferraro klingt nach Nivea-Haus auf Droge!
James Ferraro: Far Side Virtual by alteredzones

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