Los Campesinos! – Hello Sadness

Es gibt Stimmen, die bewahren sich ihre Jugendlichkeit ein Leben lang. Die Musik, die um sie herum gebaut wird, kann sich im Lauf der Zeit erwachsener geben, doch die Leadstimme, die hier sogar munter herumgereicht wird, bleibt in den Kinderschuhen stecken und verursacht dieses College-Party-Feeling, das du an manchen Wochenenden noch verspürst. Auch bei den Los Campesinos! ist dies so. Sie gehören, wie auch die ähnlich gestrickten Superchunk zu den Aushängeschildern des Coming Of Age-Sounds vergangener Tage.

Gareth singt sich bubihaft durch angerockte Songs, die gerne mal ins Hymnenhafte abdriften, aber nicht mehr so ausfransen wie noch auf den Vorgängeralben. Natürlich gibt es noch Sound-Steilwände, die gerne groß auftischen und Chöre auffordern, sich dagegen aufzustemmen. Doch oben angekommen wird schon mal großmütterlich in die Ferne geschaut und das Schlagzeug weggelassen. Altlasten werden den Hang hinunter gestoßen. Die Melodien der Leadgitarre tragen Collegeradio-Großbuchstaben. Manches erinnert an Sternstunden einer Pavement-Vorlesung.
“Hello Sadness” klingt, wie ein Bier aus einem Pappbecher schmeckt. Doch Los Campesinos! wollen jetzt ihr Alter auch in Erwachsenen-Rock packen. Also werden schon mal Krüge oder Flöten gereicht. Der Schaum wird abgeschlagen. Das gelingt auch ganz gut. Gerade in den ruhigeren Momenten, die sich schaukelnd in typischer Indie-Rock-Manier versuchen abzunabeln, geben sich die Großfamilie und die Partycrowd die Hände und feiern eine Zusammenkunft der Genrationen. In Wales steigen täglich Menschen aus der Band aus. Weiter geht es trotzdem. Die verflixte Sieben bleibt ein Erkennungsmerkmal.
Alles wird kompakt zusammen gehalten. Nichts ist zu viel, jedes Schlagzeugbreak sitzt am richtigen Fleck. Die Texte sind gewitzt, doch ein wenig zu viel des Guten. Oft verfolgt die Musik die Texte, dann wird es unübersichtlich. Die Stimmen hecheln Takten hinterher. Vielleicht der einzige Kritikpunkt.
“Hello Sadness” ist ein schönes, kurzweiliges Album geworden, das zwischendurch wie die kleine, langweilige Schwester von Arcade Fire daherkommt.

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