Mutter – Mein kleiner Krieg

Als 2010 das Album „Trinken, Singen, Schießen“ erschien, war das nach 6 Jahren Absenz so etwas wie ein gelungenes Comeback. Mutter hatten das richtige Gespür. Von der Erwirtschaftung des Produktionskapitals durch den Verkauf von Kunst, über das kratzbürstig gute Album selbst bis hin zum Erfolgsmodell Eigenverlag.
Und schon geht es weiter. Mutter haben wieder Freude an ihrem Dasein und Kraft für den heiligen Zorn. Max Müller überdehnt wieder auf seine charakteristische Art Intervalle jenseits jeder Schulintonation. Shaun Ryder lächelt milde. Das macht Müllers Vortrag nach wie vor so authentisch. Und das verstärkt die Wirkung seiner Ideenwelt um so eindringlicher. Die Zähigkeit der Lieder entwickelt sich in der langsamen Repetition von Wortspielen. So werden diese zu Slogans geschmiedet, die im Lauf der Zeit an Härte gewinnen. So werden sie zu Refrains von rauer Kraft, die manchmal immer noch mit rebellischem Unterton daherkommen. Der Charme der Penetranz hat mit Mutter nach wie vor einen guten Namen.
Da wirkt nun „Mein kleiner Krieg“ fast wie ein nachgeschobener zweiter Teil, eine Ergänzung zum kürzlich Gesagten. Varianten. Sätze, die mit „aber“ beginnen. Nein, natürlich Lieder, die im Subtext vom „aber“ handeln. Und schon jongliert die kleine Einschränkung mit dem großen Zweifel. Mühelos. Die eine Einschränkung weißt in Richtung Pop und kommt noch etwas ermüdeter daher, als die Band ohnehin manchmal schon wirken will. Die andere weißt in Richtung Auflösung von Songstruktur und Experiment. Ich weiß noch nicht so genau, ob ich diese Art der Mutterschen Stimme näher kennen lernen will. Jeden Tag. Klug ist sie immer noch. Und der Titelsong versöhnt am Ende alle Strömungen.
“Mein kleiner Krieg” ist im September 2011 bei Die eigene Gesellschaft erschienen.

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