Doomtree – No Kings

Im geläufigen HipHop sind käsige Hooklines und Auto-Tune nicht mehr wegzudenken. Doomtree machen das anders. Hier wird nicht nach Chartplatzierungen oder Pool-Parties geschielt. Das siebenköpfige Kollektiv versucht sich einen eigenen Kosmos zu erspielen, ohne dabei auf ganz dicke Hose zu machen. Sie mischen ihre Tracks in guter Crossover-Manier mit Rock, Pop, Funk und sogar Psychecelic-Dubstep. Mit Dessa haben sie auch noch eine tolle Frau im Gepäck, die den manchmal aufreibenden Jungs etwas smoothy Mood mit auf den Weg schenkt. Auch ist der Dancefloor nicht immer der Schauplatz. Das ist wirklich angenehm. Keiner der Sieben will sich in den Mittelpunkt produzieren. Schwanzgrößenvergleiche gehören in die Gosse.

Mit einer rockigen Hookline geht es los. Mit den Köpfen im Himmel werden Melodien zelebriert, die nicht immer zünden, so aber eher in Erinnerung bleiben, als diese Holzhammer-Refrains der großen Hip Hop-Künstler aus den Mainstream-Charts. Oft scheppert eine Hardcore-Garage im Vordergrund, die aber durch Dessas Auftritte versüßt wird; so nicht nur hart daherkommt, sondern sich Raum verschafft, aber anhörbar bleibt. Die Midtempo-Nummern flashen.
Die Tracks haben einen gewaltigen Flow, der einen manchmal schwindelig macht, da aus allen Rohren gefeuert wird. Wenn die beiden MCs zusammen im Chor agieren hat das Vorhaben 100% funktioniert. Wunderbar, wenn sich dann noch ein Rhodes an den mächtigen Stimmen vorbeimogelt. Gut, bei sieben gleichberechtigten Künstlern ist es schwierig, etwas abstrakt klingen zu lassen, aber hier wird versucht auch mal weniger zu feuern. Manchmal wird der Rock zu groß aufgeblasen und doch hören wir keinen Puff Daddy mit wehenden Mantel. Das Schlagzeug scheppert authentisch, während die Gitarre schöne Oldschool-Riffs runtergniedelt. Hier wird Solidarität propagiert. Nur zu Unterschreiben. “Litte Mercy” ist ein kleiner Hit, der auch ein wenig Ruhe in das aufbrausende Treiben bringt und sogar das Rappen kurz unterbricht, um einer Orgelmelodie zu folgen. Stress-Rap gibt es natürlich viel, denn es gibt ja was zu sagen. Dieser ist aber so amtlich und konzeptionell angelegt, dass auch dieser anfängt zu fließen.
Auch wird die Party nicht vergessen, bei all den wichtigen Anliegen. Zwei feste MCs und drei Unterstützer feuern locker aus der Hüfte. Lazerbeak und Paper Tiger sind die Produzenten, die wirklich tolle, grimy Blaupausen vorbereiten haben. Auch Dubstep scheint hier zu funktionieren. Ich mag die ruhigen Nummern am liebsten, die sich Zeit lassen und Melodien in harte Rhymes packen. Der Vibe stimmt. Wie sagt man so schön: Truly alternative, independent and powerful… Tolle Platte!

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