Dirty Projectors & Björk – Mount Wittenberg Orca

Björk weiß, bei wem es sich lohnt den Feenumhang abzulegen, oder sich in volle Montur zu schmeißen. Wenn David Longstreth, Everybody’s Darling aus New York, anfragt, ob sie nicht bei seinen Dirty Projectors mitsingen möchte, gibt es für Björk nur eine Antwort. Passt!
Björk hat sich in den letzten Jahren immer mal wieder Kollegen geschnappt, die gerade in aller Munde waren. Sie tat das wirklich mit Sorgfalt, das muss man ihr lassen. Ein Duett mit Antony war für mich der Höhepunkt ihrer doch schwindenden oder besser gesagt stagnierenden Karriere. Nun gibt es dieses Jahr ein typisches Björk-Album und ihre Kollaboration mit den Dirty Projectors. Ihr Solo-Album ist eher was für Fans, doch die Zusammenarbeit mit den New Yorkern ist Zuckerwatte.

David Longstreth hat tolle Songs arrangiert, die genau die Stärken seiner Sängerinnen mit Björks vereinen. Spleenige Folkrock-Songs, die im Kanon vorgetragen werden. Björk ordnet sich unter, sie nutzt ihren stimmlichen Nonkonformismus, um daraus eine Kraft zu entwickeln, die jedes Kehlchen zum Glühen bringt. Longstreth hält alles wunderbar zusammen. Einige Percussions, eine Gitarre oder ein Bass versuchen sich aus den Stimmen zu lösen. Sie dienen als Wattierung für die lose umherhuschenden Laute. Ein wunderbarer Reigen ist ihnen geglückt, der ja schon letztes Jahr durch die Blogs geisterte, als Download verfügbar war, und nun auch physisch zu ergattern ist.
Minimalistische Harmonien steigern sich zu Windböen. Walgesänge treffen auf die Avantgarde, die nicht mehr nur in hellen Ateliers zu Hause ist, sondern auch in der Kirche oder in Baumwipfeln. Wie ein Gospel-Chor, dem das Gesangsbuch aus den Händen geglitten ist, klingen die Voices auf dieser Mini-LP/Maxi. Das Wasser wird mit Landzungen ausgelöffelt. Elegante akustische Gitarren tun ihre Arbeit. Alles fließt. Björk schwebt einfach mit und dürfte sich nach dieser Arbeit zurückziehen. Starker Auftritt oder Abgang! Das müssen andere entscheiden.

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