Tom Waits – Bad As Me

Ich habe Tom Waits lange liegengelassen. In meiner Jugend waren “Rain Dogs” und “Frank’s Wild Years” meine ständigen Begleiter, doch irgendwann verließ mich Tom und ich musste auf eigenen Beinen stehen. Er drehte sich weiter wie eine Spieluhr. Das Karussell seines Herzens hatte immer eine Melodie im Getriebe, auch dann noch, wenn schon alle Frauen mit den Boys vom Autoscooter in der Kiste waren. Zwischendurch erinnerte ich mich wieder an ihn, immer dann, wenn er in Filmen auftauchte und den Räudigen, Kauzigen oder sogar Bekloppten spielte, doch seine Musik blieb im Plattenschrank zurück. Warum auch immer.

Vielleicht wollte ich nicht mehr den Blues, den Waits verströmte oder John Spencer gab mir das mit mehr Punk-Attitüde. Jetzt meldet er sich auf jeden Fall nach längerer Pause mit “Bad As Me” bei seinen Fans zurück und auch ich wage mich mal wieder an den Schwerenöter ran. Tom Waits ist und bleibt Tom Waits. Das muss fast als Rezension des Albums reichen. Punkt.
Nein, ein wenig gibt es noch zu sagen. Waits poltert wieder durch dunkle Straßen, die mit Blues ausgeleuchtet werden. Seine Begleitmusiker, z.B. der von mir sehr geschätzte Gitarrist Marc Ribot, umspielen die versoffene Stimme des Meisters grandios. Ein Solo humpelt wie ein dreibeiniger Köter um die Ecke. Ein Flamencokleid leuchtet rot und verschlissen im Los Lobos-Backkatalog. Keith Richards legt die Piratenschminke ab. Endlich. “Last Leaf” wird zum jaulenden Duett in einer Karaoke-Bar. Zauberhaft!
Mich treffen die langsamen Walzer und Stehblues-Nummern am meisten ins Herz. Das war wohl schon immer so. Eine Zigarette und ein Waits-Lied sind unmittelbar miteinander verbunden. Wie ein Löwe brüllt sich Waits durch die Jazz-Manege. Ein feuchter Kuss, der nach kaltem Rauch schmeckt überdeckt die genuschelten Worte des Troubadours. Toll, wie sich die Bläser aufspielen. Sogar eine Fingerübung wie “Get Lost” macht Spaß. Ribot zerlegt ehrfürchtig Akkorde und Waits schiebt sich mit einer Kopfstimme in deine Kehle. Er schnürt dir alles zusammen. Waits hat nichts verlernt, er weiß welche Mischung er anrühren muss, um alle zu überzeugen. Fans, Kritiker und Gelegenheitshörer werden sich mit “Bad As Me” anfreunden können. Ich habe Waits nicht vermisst, ihn aber nun noch mehr liebgewonnen. Starke Platte!

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