Tim Hecker – Dropped Pianos

Ein Piano und ein Delay-Pedal. Hecker spielt Sketches, die sich an der wüsteren Ambient-Platte “Ravedeath, 1972” orientieren, diese aber nur schleifend streichen, um sich dem Wohlklang und der Flugstunde mit den gewachsten Flügeln hinzugeben. “Ravedeath, 1972” hatte das Gebälk der Kirche auf den Schultern, ein Sturm zog auf und wehte die Kapelle in die dunkelste Nacht des Jahres. Ein verzerrtes Spiegelbild deiner Don Quichote-Gestalt erschreckte die Nachbarstochter. “Dropped Pianos” setzt sich als Sternenfänger ins Licht. Hiermit könntest du die schon verlorengeglaubte Schöne wieder auf das Bärenfell locken.
Lange Hallfahnen dominieren das Wohlgefühl. Ist es noch ein Glissando oder ist es schon der Hauch der Geliebten, die sich übers Geländer beugt? Der Prozess der Selbstharmonisierung hat längst eingesetzt. “Ravedeath, 1972” und “Dropped Pianos” haben dieselben Eltern. Hier macht der eine Vater was er will und reißt die Orgel aus der Kirche, da verlustiert sich der andere Vater in Melancholie. Beide Alben gehören zusammen, können aber auch auf eigenen Füßen stehen. Die windige Platte, die manchen bösen Traum beschwört, gefällt mir persönlich besser, aber im Wechsel haben auch die Sketches der Dropped Pianos-Scheibe ihren Reiz. Hecker macht sich nackig und stripped alles down, was sich als affektierte Emotion ins Geschehen wirft. Guter Mann. “Dropped Pianos” ist die Eso-Platte für die Weinverkostung mit Käseigel und “Ravedeath, 1972” ist der Husarenritt auf den Schultern von Marty Feldman, der mit geschlossenen Augen den Hügel runterfetzt. Beides zusammen lässt mich dann wirklich taumeln. Stark!
Tim Hecker: Dropped Pianos by alteredzones

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