Camille – Ilo Veyou

Camille ist keine typische Chansonnette; das war sie nie und wird sie wohl auch nie werden. Camille ist stets bemüht sich ihrer Stimme zu stellen, sie in Räume zu quetschen, um zu hören, was sich verändert, wenn man in einem Kloster, einem Badezimmer oder mit Holzböden ausgestatteten Studios singt. Dies tut sie im Übrigen gerne a capella. Wahlweise auch auf Englisch oder in einer Babysprache.
Camille spielt mit Worten. Wie eine Akrobatin schüttet sie sich Magnesiumcarbonat in den Hals oder wer böses denkt, wie eine Slam-Poeten kaut sie auf Wörtern rum, die mehr Klang als Sinn besitzen, aber mit Tempo den Babysitter-Boogie zitieren. Streichinstrumente dürfen mal auf Hochkultur machen, doch am Liebsten hat sich Camille selbst, wenn sie in einem großen Raum steht und sie die Hallmöglichkeiten austesten kann.

Camille genießt es, da sie eine wirklich ausdrucksstarke, wie auch variable Stimme hat, ohne Kopfhörer zu arbeiten; so fühlt sie sich frei und lässt einfach los. Das kann wirklich überraschen, hat aber auch Momente, die nicht immer locker sind. Viele kurze Stücke haben es auf das Album geschafft. Sie rauschen an einem vorbei. Wie Skizzen, wirft sich Camille in die Strophen, die runtergerasselt werden ohne Beat und Kommata. Camille will weiter, sie verweilt nicht gerne in der Klischee-Version des Musikfrankreichs der Kulturprogramme, obwohl mir persönlich die klassischen Strukturen mit Akkustikgitarre und verführerischer Lolita-Stimme am Besten gefallen. Am Ende eines Stückes lässt Camille ein Püpschen flattern. Hätte man so nicht zuordnen können, doch dank informativer Beipackzettel wissen wir mehr. Ich dachte beim ersten Hören, sie sei auf einen Frosch getreten. Vive la France!

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