Puro Instinct – Headbangers in Ecstasy

Sie waren mal Pearl Harbor und sind Schwestern. Immer noch tragen sie Watte in ihren Herzen. Headbangers in Ecstasy klingt verwunschen. Geräusche blubbern unter Wasser. Ein Tagtraum steht in der Mittagssonne und fragt nach Bedeutung. Die Gitarre ist wonnig weich. Ein Echo kommt um die Ecke. So sieht der Dreampop 2011 aus. Mit dem Kopf untergetaucht. Doch die beiden Kaplan-Schwestern verlieren nicht die Orientierung.
Breite Gitarren mischen sich unter sanfte Cure-Pickings, die sich nicht scheuen, Killing An Arab oder Friday I’m in Love zu huldigen. Headbangers in Ecstasy besitzt große Melodiequalität. Nur zwischen den Songs darf das Radio mal rauschen. Entfernte Stimmen und Hörner machen auf Betrieb. Dann wird kurz gerockt, aber immer mit den Händen in den Kleidern. Sternenstaub trifft auf Tränenmeer. Sex auf Lustlosigkeit.
Puro Instinct bekommen ‘nen Drehwurm und kotzen einen Regenbogen. Wenn der Bass mal alleine hüpft, weiß man, dass das alles auch grooven kann. Bei “Stilyagi” kommt Ariel Pink zu Besuch. Er bringt Drummachines mit. Wolken ziehen auf. Einen Regenschirm braucht er nicht. Er liebt es, wenn die Haare nach Hund riechen. Da ist er wieder der Regenbogen. Diesmal am Himmel und nicht auf dem Tischtuch.

Die Songs versuchen sich zu positionieren. Wo scheint die Sonne heute am längsten? Wo macht ein Handclap noch Spaß? Tragen wir wieder was Kurzes oder sollen wir mal die lange Variante probieren? Wahrlich verhuscht sind manche Songs. Regelrecht in sich versunken. Andere wollen auf die Tanzfläche, obwohl sie wissen, dass da schon die Brecher mit Tanzbein warten, um sie umzuwerfen. Puro Instinct sind die besseren Warpaint, die ja im letzten Jahr durch die Decke gingen. Warum auch immer. Die Phaser-Klänge und das besoffene Sax in “Escape Forever” sind schon klasse. “No Mames” hat einen Wahnsinnsflow. Der Song scheint förmlich zu stehen. Im Nebel, im Trenchcoat, mit nichts drunter. Der Wind umschmiegt den Song, der immer schiefer zu werden scheint. Auf einmal passen die Stimmen nicht mehr zusammen. Eine Rockgitarre fängt ein Solo an. Warum? Geil! Die Mädels versuchen aber trotzdem die Töne zu halten.
Waren die Kaplan-Sisters überhaupt im Studio anwesend? Oder haben sie die Gesangsparts auf der Durchreise aufgenommen? Oder im Nivea-Haus? Unglaublich sexy das Ganze. Ich bin Fan. Vergesst Warpaint. Headbangers in Ecstasy wird bei jedem Hören geiler. Sie schenken mir den Reverb des Tages!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.