Klassiker: Lewis – L'Amour

Manchmal sind die Geschichten, die sich um Platten ranken einfach so unbegreiflich schön, dass es einem eine fette Gänsehaut auf die Arme zaubert. Auch bei Lewis ist dies so. Das Internet sucht nach Jahren nach dem Künstler, der 1983 (vielleicht) eine private Pressung in Umlauf brachte, die Jahrzehnte später eine gewisse Hörerschaft zur Verzweiflung bringt. Auch mich hat es nun erwischt.
Lewis hat einfach mal ein Album gemacht und dies wohl an Freunde und Verwandte verteilt. Das glaube ich. Keine Ahnung! Trödelmärkte und Kellerräumungen haben dann Lewis’ Album in die Welt gespült. Klingt toll. Ich wünsche mir, dass es so war. Sein zarter Folk, der gedankenverloren durch die Twin Peaks-Wälder huscht und Leonard Cohen und dem frühen Bruce Springsteen Gute Nacht sagt, ist von unbeschreiblich verstörender Schönheit. Aufrufe auf verschiedenen Blogs, dass sich Lewis doch bitte, falls er noch lebt, melden möge, um mehr zu erfahren von diesem Kleinod und dessen Umstände, ergaben bis heute keine Gewissheit. Geistermusik für den romantischen Abend allein.
Die Gitarre wird sanft gezupft, Lewis haucht traurige Sätze, die mit kleinen nebligen Synthesizern einem durch Mark und Bein gehen. Das ist Kitsch in edelster Form. Die Langsamkeit der Stücke, die manchmal nur ein Klavier zulassen, lässt einen verstummen. Lewis, wo bist du? Gibt es noch mehr Zauberhaftes? So viel Liebe habe ich schon lange nicht mehr in Songs gespürt. Die Einfachheit des Aufbaues der Stücke ist unfassbar.
Das Wort Balladen klingt in diesem Zusammenhang falsch gewählt. Und warum taucht dieses Mörder-Instrumental auf einmal auf? Wie eine Lichtung erhellt es den Wald und lädt zum Verweilen ein. Kleine Melodien spiegeln sich in purpurnen Flüssen. Hast du Lewis schon mal beim Bäcker getroffen? Saß er vielleicht beim Arzt schon mal neben dir? Vielleicht ist er ja dein Arzt.
Menschen behaupten, dass er irgendwo in Kalifornien lebt. Angeblich hat er damals am Ende die Produktionskosten nicht zahlen können und er hat sich deshalb aus dem Staub gemacht. Mensch Lewis, melde dich, ich zahl die Schulden und bring dein Album raus!
Verschwörungstheoretiker schmeißen eine Alien-Geschichte in den Raum. Alles Spinner! Schön ist auch, dass der Albumtitel im Netz ständig falsch geschrieben wird. Keiner weiß irgendwas. Mir bleibt die Spucke weg. Diese verspielten, hingerotzten Pianofiguren machen mich wahnsinnig. Was für ein Werk!

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