Pallers – The Sea of Memories

Küsse unter Wasser. Sie schmecken salzig. Du musst kurz zum Luftholen an die Wasseroberfläche. Die Meerjungfrau wartet geduldig. Pallers aus Schweden sind Popper, Romantiker und Bartträger. Das geht heutzutage gut miteinander. Ihre Musik kuschelt sich mit sanften Beats und viel Geklöppel in warme Decken, als du aus dem Wasser steigst. Ein letzter Blick und die Flosse deiner Meerjungfrau ist verschwunden. Du schaust noch lange nach.

Jetzt musst du in den Club. Auflegen. Deine Telefonstimme wird dir kurz drauf zum Verhängnis. Deine Mutter legt einfach auf, als du sie anrufst. Sie erkennt dich nicht. Zu Hause noch schnell umziehen. An deiner Wand hängt ein Poster von Robert Smith. Dein Kopfkissen schmückt Dave Gahan. Ach, wenn du nicht so ewiggestrig wärst.
Auf dem Weg in den Club hast du wieder Splash und Daryl Hannah im Kof. Auf deiner Haut sind immer noch Salzpartikel. Pallers träumen sich in eine Blubber-Unterwasserwelt. So richtig knallen lassen sie die Korken nie. Für sie geht es um das große Gefühl, um die Traumsequenzen zwischen Sonnenaufgang und letzter Zigarette. Das plätschert so vor sich hin, hat aber auch schöne Momente, wenn es zum Beispiel anfängt zu knarzen oder zu scheppern. Manchmal kommt ein verletzlicher Notwist-Moment in die Tracks. Das war es aber auch schon. Die kleinen Depeche Mode-Zitate können kein Album bestreiten. Auch die sanften Gitarren-Pickings, die dann wieder von verlorenen Beats aus der Reserve gelockt werden, täuschen nur an. Auch sie haben keinen gültigen Reisepass. Vom Regen in die Traufe.
Beim Auflegen dann im Club sehen die Mädchen nur die Algen in deinem Haar, nicht dein wahres Gesicht. Traurige Welt!
Pallers – Come Rain, Come Sunshine by The Line Of Best Fit

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