Joakim – Nothing Gold

Oh, da ist sie wieder die Welle, die einen mit sich zieht. Dieser wavige 80er-Schaumparty-Tsunami lässt mich nicht mehr hoch kommen. Er drückt mich gegen den Poolboden, so dass ich nur noch Kacheln sehe. Auch Joakim surft mutig auf der Welle herum. Früher musste man entweder auf den Bus rauf oder halt herunter. Joakim begibt sich da lieber in den Trockeneis-Club, wo Mädchen nach wahren Männern suchen.
Klassische Bandmuster spiegeln sich im Neonlicht. Wenn die schiefen Hörner blasen oder Joakim auf Bryan Ferry macht, wird es spaßig. Man kann sogar dazu zappeln. Ein Drink könnte die Stimmung heben, doch alle hier sind nur auf Eingeladenwerden aus. Da bleibt der Tresen kalt. Das Tempo pendelt sich auf gepflegte 110 bpm ein. Das lässt dich zwar nicht ausrasten, doch für leichte Hüftschwünge reicht es. “Paranoid” spielt gewitzt mit Hektik, Bässen und vergeigten Harmonien. Das beste Stück. So langsam tauche ich wieder auf. Eine kalte Party wird gefeiert, auf der die Männer ihre Lederhandschuhe nur zum Pinkeln ausziehen. Das klingt alles spannender als es ist. Ich hüstel und taumel zur Bar. Alle Mädels schreien: “Forever Young.” Irgendeiner spielt Topfschlagen. Ah nein, das ist die Kuhglocke. Ein gern gesehenes Instrument.
In kleinen Dosen ist das Album auf einer Party, im Flugzeug auf dem Charts-Kanal oder bei der Ex zum Klamottenwiederholen vielleicht passend, doch insgesamt leiert Joakim irgendwie. Sequenzer und Synthesizer türmen sich am Pool auf. Zu viel Schaum verstopft mein Ohr. Ich mag mehr die Krautrock-Sachen von Joakim. Trotzdem wird er neue Freunde finden. Ihm sei es gegönnt.

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