Alva Noto – Univrs

Alva Notos neues Album “Univrs” basiert auf einer audio-visuellen Performance, bei der Audio-Signale durch Software generierte Testbilder in Echtzeit manipulieren. Soweit die Versuchsanordnung, die eine Weiterentwicklung seines 2008 erschienenen Albums „Unitxt“ darstellt. Carsten Nicolai kehrt nun nach den eher durch Reduktion und Kontemplation gekennzeichneten Kollaborationen mit Blixa Bargeld und Ryuichi Sakamoto zu den aufregenden Kerngebieten einer synästhetischen Klangkunst zurück.
Der Dauerton wird zum Star. Dieser schwellende Dauerton, den wir in verwandter Form auch schon mal bei Signal und Byetone gehört haben, entwickelt sich auf “Univrs” zur ebenso variantenreichen wie allgegenwärtigen Maschinenmetapher. Mal mit Wucht im Vordergrund stehend, fächert er sich als granulatartige Bramme in mehrere Schichten auf. Dann wieder steht ein fragiler Bordun als leise Ahnung am Horizont. Immer schaffen es synthetische Schichten alle rhythmischen Nadelstichmuster mit avanciertester Penetration zu einem stabilen Raumverband zu gürten.
Cold Fusion. So wird das synästhetische Experiment schließlich zum Selbstläufer – einmal sogar von Anne-James Chaton besungen! Und das Maschinenkonstrukt scheint mit kühler Anmut Resistenz und Energie zu produzieren. Unaufhörlich. Resistenz gegen jeglichen äußeren Einfluss ausserhalb seines exakt beschriebenen technischen Verfahrens. Diese Resistenz ist es auch, die eine Immunisierung, eine Versiegelung gegen das Äußere aufbaut und somit 100 % Prozent der eingesetzten Energie im System hält. Perfekt!
“Univrs” erscheint am 17. Oktober 2011 bei Raster Noton.

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