Woher kennst du eigentlich die Beatles? Suse Aliaspaul gibt Antwort.

Jahrgangsgeräusche hat sich zur Beantwortung dieser Frage GastautorInnen eingeladen, die ohne Reglementierungen ihre Beiträge einreichen konnten und auch weiterhin noch können. Schön zu sehen, wie unterschiedlich sie das bewerkstelligen.
Heute gibt uns Beatles-Fan Suse Auskunft. Wenn sie nicht gerade an die Beatles denkt, dann schreibt sie auch mal Fürze auf.





A Hard Days Night
©Suse Aliaspaul






Meine früheste Erinnerung mit Beatlescontent ist die an einen Nachmittag bei meiner Oma. Die Erwachsenen saßen am Kaffeetisch und tratschten und ich saß daneben vor dem Fernseher, wo ein Beitrag zu John Lennons Tod lief. Ich war etwa sieben Jahre alt, hatte von den Beatles schon mal etwas gehört, aber vermutlich keine konkrete Idee von deren Musik. Obwohl ich in einem recht musikalischen Haushalt aufwuchs, wurde nie auch nur einmal eine Beatles-Platte gespielt. Man hörte Radio. An guten Tagen auch mal Johann S. Bach. Aber nicht die Beatles. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass wir die Beatles im Musikunterricht durchgenommen hätten. Meine Kindheit war also (viel zu) beatlesarm gestaltet.
Mit 14 verfiel ich dann NIRVANA und verschlang Kurts Tagebücher. Darin stand, dass Herr Cobain die Beatles mochte. Für ein 14jähriges, verknalltes Grunge-Kind ist das Grund genug, sich die Liverpooler etwas näher anzusehen. Ich fand sie zwar nicht schlecht, aber die Beatles waren nicht sonderlich zum pubertären Rebellieren geeignet, also verschwanden sie für mich zunächst wieder in den Hintergrund. Etwa 2 Jahre später dann ging ich meinen ersten echten Schritt Richtung Beatlemania. Auf irgendeiner christlichen Veranstaltung für Jugendliche betrat ich eines Abends einen Raum, in dem mehrere 16-20jährige wild tanzten und Lieder mitgrölten, die ich noch nie gehört hatte. Es war eine deutlich spürbare Menge Rock’n’Roll in der Musik, gepaart mit faszinierenden Harmonien im Gesang. Etwa eine halbe Stunde stand ich an der Tür und beobachtete das sich mir bietende Schauspiel. Vielleicht fing ich auch selbst an zu tanzen.
Am Abend darauf saß ich mit einigen der Leute vom Tag zuvor in einem VW-Bus. Die gleiche Kassette wurde gespielt und ich fragte das Mädchen neben mir, was das für Musik sei. Ich kann mich noch gut erinnern, wie entgeistert sie mich anguckte. Dass ich DAS nicht wusste! Wir lauschten hier schließlich der größten Band der Welt. Die Beatles also. Jetzt wusste ich, warum Kurt Cobain sie so mochte. Ich legte mir daraufhin die PastMasters-Alben zu, aber da niemand in meinem Freundeskreis die Fab Four hörte (zumindest glaubte ich das zu dem Zeitpunkt), schlief meine Begeisterung bald wieder ein. Und dann geschah das, was mich endgültig und unwiderruflich in die Beatlemania katapultierte. Während meiner Ausbildung lernte ich zwei wunderbare Menschen kennen. Sie teilten sich den Weg zur Schule und als eine von ihnen im Auto die Beatles-Kassetten ihrer Mutter anmachte und sie mir im Unterricht davon erzählten, stellten wir fest, dass wir alle drei die Beatles sehr gern mochten.
BOOM! Hier fing es an. Wir tauschten Musik und Filme, liehen uns in den Freistunden den CD-Player aus dem Lehrerzimmer und beschallten die ganze Schule mit den BBC-Aufnahmen der Liverpooler. Es gab kein anderes Thema mehr. Alles, was wir sagten oder taten, stand irgendwie in Zusammenhang mit den Pilzköpfen. Bei manchem Lehrer konnten wir damit punkten. Bei manchem Mitschüler ernteten wir genervte Blicke. Man sprach von unserer kleinen Dreier-Clique als „die Beatles“, was dazu führte, dass auch wir selbst anfingen, uns mit Beatlesnamen anzureden. Ich bin Paul und die anderen mit etwas anderem als „George“ oder „John“ anzureden, kommt bis heute nicht in Frage. Wir machten uns einen Spaß daraus, uns in der Öffentlichkeit „EY! Lennon, komm mal her!!“ – „Warte, George.“ oder einfach nur „’CARTNEY!!!“ zuzurufen. Wenn jemand eine Dokumentation oder einen der Beatlesfilme neu erwarb, veranstalteten wir Beatlesnächte, bei denen wir anfangs 3-4 Filme nacheinander sahen. Manchmal war es wie ein kleiner Wettbewerb, wer von uns der beste Fan war. In dieser Hinsicht gewann meistens John. Sie konnte die Filme allesamt auswendig mitsprechen, hatte als erste die Fähigkeit, die Stimmen der Beatles auseinander zu halten, hatte als erste eine Wand in ihrem Zimmer komplett mit den Bildern von Ringo, George, Paul und John tapeziert, war als Erste im Beatles-Museum in Halle. Und der Beatleshaarschnitt natürlich. In den meisten Punkten zogen George und ich schnell nach. George wusste meistens am besten über die Band- und Nach-Band-Geschichte Bescheid, vor allem, wenn es um ihren Namensgeber ging. Ich war die, die später die großen Sachen ins Rollen brachte – Liverpool-Urlaub, Hamburg-Ausflug, Paul-McCartney-Konzert ,… und die als erste alle regulären Alben zusammenhatte. Wir besorgten uns die Outfits der Pilzköpfe und stellten unendlich viele Fotos nach, drehten seltsame Videos, besuchten Beatles-Tribute-Veranstaltungen (und wurden dabei sogar auf die Bühne geholt, weil wir so beatlig aussahen).
Beatlesklingeltöne, komplette Konversationen nur mit Beatleszitaten, mit Anzug im Unterricht auftauchen und auf dem Boden liegend, bunte, sich bewegende Lichter anstarrend die fabulösen Vier hören – ein Muss. Alles abseits diesen Standards wäre unter ihrer Würde gewesen. Weil wir zu dritt waren, hatten wir recht schnell jede Menge „Material“ und Wissen über die Beatles angehäuft. Und häufen es noch an. Je mehr wir erfahren, je mehr wir mit den Beatles erleben, desto größer wird unsere Liebe für die mit Abstand beste Band der Welt. Wir waren schon vorher gute Freunde, aber die gemeinsame Liebe zu diesen witzigen, hübschen, cleveren, hübschen, hübschen, dreisten, charmanten, hübschen Jungs hat uns unglaublich eng zusammengeschweißt.
Und die Musik erst!
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