Tarwater – Inside The Ships

Da blas ich dir Zukunftsmusik um die Ohren. Digital und Analog? Da musst du Yoko Ono fragen! Was ist das noch mal? Zukunftsmusik? Nicht so etwas, das jetzt schlecht klingt, mit der Zeit sich aber doch noch gut ausnehmen wird? Kann sein. Dann machen Tarwater was anderes.
Das alles interessiert Ronald Lippok nicht. Seine Stimme gleicht einem Kohlenbehälter in einem Maschinenraum. Und doch bläst da einer Zukunftsmusik. Wie bei einem Dampfkessel, der unkontrolliert Geräusche von sich gibt, tauchen ungewohnte Instrumente in deinem Popschiff auf. Die Vermessungsarbeiten des Inneren sind noch in vollem Gange. Ist das ein Dudelsack? Der Bruttoraumgehalt der Innenfläche wird immer wieder Richtung null gelenkt. Nur um alles wieder von vorne beginnen zu können.
Auch Tarwater schrauben sich zurück. Sie arbeiten sich an den eigenen Aufbauten und denen der Anderen ab. Das macht Spaß. Sie setzen einen dunklen, holzigen Folk frei, der so noch nicht in ihren Songs herumgeisterte. Und doch betreten sie das Deck ihrer Karriere gerne wieder, um dort zu salutieren. Lippok spricht sich fachmännisch ins Gefühlige. Der Hafen ist in Sicht. Dort stehen die Synthesizer, die sanfte Flächen auf Schlepp-Dampfschiffe setzen. Die Songs sperren sich manchmal aus, doch Bernd Jestram und Ronald Lippok wissen, wo die Schlupflöcher oder Schlüssel sind.

Tarwater bleiben ein charmantes Electronic-Duo, das sich in Melodien verlieben kann und die Bezeichnung Electronic-Duo hasst. Paragraphen kümmern sie nicht. Auch ist es ihnen schnuppe, ob etwas oldfashioned klingt. Sie haben Zeit. Kommt ja alles wieder. Die Songs geben sich in den Anfangsminuten Auslauf. Sie versuchen sich, an Beat und Rhythmik zu orientieren. Samples schlagen gegen die Gischt. Ein Rimshot zieht sich durch ein Wellenspiel.
Tarwater sind nicht immer auf hoher See, doch sie verlassen gerne mal den Heimathafen, nur um unbeobachtet unelastische Instrumente zu testen. Die Bläser sind faszinierend. Sie haben etwas Erhabenes, trotz ihrer beunruhigenden Tiefe oder hohen, freien Improvisation. Eine Gitarre spielt einen kleinen Denkanstoss. Freiheit. Manche Verwirklichung liegt noch in weiter Ferne. Da meldet sich ein Astronaut. Wir haben das falsche Schiff bestiegen. Schnell Sato Sato. Auch da machen die Bläser eine gute Figur. Eine Polka zum Abschied. DAF gegen das Vergessen. Sehr schöne Platte!
Tarwater – Inside The Ships ist bei Bureau B erschienen.

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